Von der Nasennebenhöhlenentzündung zu Zahnschmerzen

In Europa ist jeder zehnte Einwohner von einer chronischen Nasennebenhölenentzündung betroffen.

In Europa ist jeder zehnte Einwohner von einer chronischen Nasennebenhölenentzündung betroffen. | Photographee.eu – Fotolia

Wozu die Nasennebenhöhlen gut sind, weiß keiner so genau. Dass sie richtigen Ärger machen können, bekommen dagegen immer mehr Menschen schmerzhaft zu spüren. Allein in Europa ist jeder zehnte Einwohner von einer chronischen Sinusitis, also von einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung betroffen. Im Zuge einer Nasennebenhöhlenentzündung können aufgrund von Schwellungen sogar gereizte Zahnnerven und somit Zahnschmerzen auftreten.

Wenn wir von Nasennebenhöhlen sprechen, denken wir automatisch an die beiden Kiefernhöhlen rechts und links der Nase. Sie sind auch die beiden größten Nasennebenhöhlen, aber nicht die einzigen. Die beiden Stirnhöhlen oberhalb der Augenbrauen, die beiden Siebbeinhöhlen zwischen Nase und inneren Augenwinkeln und die Keilbeinhöhlen im hinteren Nasen-Rachenraum gehören auch dazu. Ihr biologischer Sinn ist nicht ganz klar. Für Leonardo da Vinci waren sie das Nährstoffreservoir der Zähne, für den englischen Arzt Thomas Willis die Wurzel der menschlichen Triebe. Diese Ansichten über die Nasennebenhöhlen sind natürlich längst überholt. Neuere Hypothesen sind zwar weniger obskur, darunter ihre Rolle bei der Stimmbildung oder der Anwärmung und Befeuchtung der Atemluft. Bewiesen ist das alles aber bislang nicht. Dass sich die Hohlräume im Laufe der Evolution gebildet haben, um das Gewicht des Schädels zu reduzieren, ist mittlerweile sogar klar widerlegt.

Nasennebenhöhlen möglicher Herd für Entzündungen

Fest steht jedoch: Dem nicht eindeutig erkennbaren Nutzen stehen große Probleme gegenüber: Denn die Nasennebenhöhlen sind ein möglicher Herd für Entzündungen. Immer mehr Menschen leiden unter chronisch entzündeten Nasennebenhöhlen. In manchen Fällen können sogar alle Nebenhöhlen gleichzeitig betroffen sein (chronische Pansinusitis). Niederländische Forscher um den Wissenschaftler Deniz Hastan haben bereits 2011 herausgefunden, dass fast 11 Prozent der Bevölkerung in Europa von chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen betroffen sind. Die chronische Sinusitis gilt demnach zu Recht als Volkskrankheit. Für die Studie wurden die Daten von rund 57.000 Menschen aus 12 Staaten in Europa ausgewertet. Das Ergebnis: 10,9 Prozent leiden unter chronischen Beschwerden. Raucher sind häufiger betroffen als Nichtraucher. Spitzenreiter beim Ländervergleich ist Portugal mit einer Erkrankungsrate von 27 Prozent in der Stadt Coimbra. Für Deutschland analysierten die Forscher Daten aus einer Klinik in Duisburg und aus einer Klinik in Brandenburg. Dabei war die Erkrankungsrate in Duisburg doppelt so hoch (14,1 Prozent) wie in Brandenburg (7 Prozent). Dass die Luftverschmutzung für diese Unterschiede verantwortlich ist, liegt nahe, ist aber nicht bewiesen.

Ursachen der Nasennebenhöhlenentzündung

Zu den bekannten Ursachen einer chronischen Sinusitis zählen häufige, hintereinander verlaufende, akute Nasennebenhöhlenentzündungen, anatomische Besonderheiten wie Verkrümmungen der Nasenscheidewand oder Polypen, seltener Allergien oder eine Immunschwäche. Wichtig: Auch wenn man sich mit einer akuten Sinusitis nicht so krank fühlt, dass man zum Arzt muss – behandelt werden muss sie immer. Denn die Entzündung kann sich sonst auf andere Gewebe wie die Augen oder sogar das Gehirn ausbreiten.

Nasennebenhöhlenentzündung: Zahnschmerzen möglich

Oft werden Antibiotika eingesetzt, um die Keime in den Nebenhöhlen abzutöten. Dabei gibt es mittlerweile gute Belege aus klinischen Studien, dass Antibiotika bei einer unkomplizierten akuten Sinusitis nur einen geringen oder gar keinen Vorteil gegenüber einer reinen Behandlung der Symptome haben. Zu den Anzeichen einer Nasennebenhöhlenentzündung zählen neben einer verstopften Nase vor allem Kopfschmerzen, die sich beim Bücken verschlimmern. Aber auch Fieber, Sehstörungen, Gesichtsschwellungen und sogar Zahnschmerzen können auftreten. Denn durch die geschwollene Schleimhaut in den entzündeten Nebenhöhlen kommt es, vor allem wenn die Kiefernhöhlen betroffen sind, mitunter zur Reizung von Zahnnerven. Auch kann der durch den Sekretstau verursachte Druck in den Nasennebenhöhlen bis in den Oberkiefer reichen und dort Zahnschmerzen verursachen.

Viel trinken und die Nasenschleimhaut befeuchten sind das A und O. Meersalzhaltige Nasensprays oder Nasenduschen mit Meersalzlösung leisten hier gute Dienste und können im Gegensatz zu abschwellenden Nasensprays unbedenklich über einen längeren Zeitraum benutzt werden.

Das Gegenteil von vornehm, aber schonend für die Nebenhöhlen ist es, den Nasenschleim hochzuziehen. Wer sich und anderen das nicht zumuten mag, sollte ein Nasenloch zuhalten und nur vorsichtig schnäuzen, da der Schleim sonst in die Nebenhöhlen oder auch in das Mittelohr katapultiert wird. Auch Inhalationen und das Einatmen von ätherischen Ölen sind hilfreich. Bewährt hat sich auch die begleitende Einnahme von pflanzlichen oder homöopathischen, schleimlösenden Präparaten. Für die homöopathische Selbstbehandlung eignen sich vor allem Komplexmittel (z.B. Sinusitis Hevert SL). Sie enthalten sorgfältig aufeinander abgestimmte homöopathische Arzneistoffe, die sich durch ihre abschwellende und entzündungshemmende Wirkung sowohl bei akutem Schnupfen als auch bei chronischer Sinusitis bewährt haben.



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