COVID-19: Warum körperliche Fitness so wichtig ist

Covid Sport
Im Hinblick auf COVID-19 wird vermutet, dass körperliche Aktivität zu milderen Verläufen führen könnte, indem sie die sogenannte Eigenregulation des Immunsystems stärkt. | Bild: Pressmaster – Adobe Stock

Abstand, Alltagsmasken und Händewaschen – wer diese Vorsichtsmaßnahmen einhält, kann das Risiko einer Infektion mit COVID-19 senken. Dennoch: Einen 100-prozentigen Schutz vor dem Coronavirus gibt es derzeit nicht. Die Infektion kann jeden treffen. Um im Fall einer Infektion möglichst unbeschadet durchzukommen, empfehlen Sportmediziner körperliche Fitness. Spricht aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen, können selbst bislang Inaktive in kurzer Zeit positive Effekte erzielen.

Die Corona-Zeit ist eine große Herausforderung, auch im Hinblick auf körperliche Aktivität. Viele können durch die Beschränkungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ihren Lieblingssport nicht ausüben und selbst Spaziergänge waren nicht immer möglich. Etwas mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland, die vor der Krise nie oder nur selten bewegungs- und sportaktiv waren, sind nun auch während der Krise inaktiv. Dabei sei es im Moment überaus wichtig, körperlich aktiv zu sein, betonen Experten wie Prof. Claus Reinsberger, Neurologe und Leiter des Sportmedizinischen Instituts der Universität Paderborn. Zum einen für das psychische Wohlbefinden, aber auch im Hinblick auf eine mögliche Infektion. Denn je gesünder und fitter wir sind, desto besser kann unser Körper schwere Erkrankungen überstehen. Neben anderen Lebensstilfaktoren wie ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung spielt moderates körperliches Training dabei eine wichtige Rolle.

Wie wirkt Sport auf das Immunsystem?

Sport ist gut für das Immunsystem. Das ist hinlänglich bekannt. Dass körperliche Aktivität zu Veränderungen im Immunsystem führt, ist auch wissenschaftlich gut belegt. So stimuliert Sport beispielweise bestimmte Immunzellen. Das zeigen u.a. Untersuchungen mit ehemaligen Tumorpatienten: „Wir konnten beobachten, dass die natürlichen Killerzellen nach dem Training auf den Halbmarathon eine höhere Abwehrfunktion hatten und dass Oberflächenantigene, die für die Erkennung fremder Zellen zuständig sind, vermehrt präsentiert werden“, so Prof. Wilhelm Bloch vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Doch wie derartige Veränderungen die Immunfunktion beeinflussen, ist noch nicht vollständig verstanden. Denn das Immunsystem ist, wie der Name schon sagt, ein „System“. Viele unterschiedliche Zellen aktivieren oder hemmen sich gegenseitig. Dabei laufen höchst komplexe Prozesse ab, die für die Wissenschaft immer noch offene Fragen aufwerfen.

Körperliche Aktivität und COVID-19

Im Hinblick auf COVID-19 wird vermutet, dass körperliche Aktivität zu milderen Verläufen führen könnte, indem sie die sogenannte Eigenregulation des Immunsystems stärkt. Sie ist vereinfacht gesagt wichtig für eine angemessene Reaktion des Immunsystems auf einen neuen Erreger wie aktuell das SARS-CoV-2-Virus. Angemessen bedeutet, dass die Viren vom Immunsystem eliminiert werden, ohne dass die Reaktion überschießt. Denn wenn das Immunsystem überreagiert, kommt es zu schweren Entzündungsreaktionen, die größeren Schaden anrichten können als das Virus selbst. Wie ein Forscherteam aus Deutschland herausgefunden hat, ist das bei manchen COVID-19-Patienten der Fall. „Speziell bei schwer erkrankten Patienten haben wir beobachtet, dass das überreagierende Immunsystem die Zerstörung des Lungengewebes vorantreibt“, so Studienautor Roland Eils. Normalerweise wirken sogenannte inhibitorische (hemmende) Zellen des Immunsystems wie vor allem die T-regulatorischen Zellen (Tregs) als Bremsen. Sie sorgen dafür, dass das Immunsystem nach getaner Arbeit wieder heruntergefahren wird. Da ihre Zahl und Aktivität in Abhängigkeit von körperlicher Leistungsfähigkeit und Training gesteigert werden, nimmt man an, dass dies ein wichtiger Mechanismus für eine angemessene Reaktion des Körpers auf das neue Virus ist. 

Welches Training für ein fittes Immunsystem?

Das Wichtigste vorneweg: Bitte nicht übertreiben. Viel hilft nicht immer viel – im Gegenteil. Eine zu hohe Belastung, aber auch zu kurze Regenerationsphasen sind im Hinblick auf die Abwehrkräfte in der Regel eher kontraproduktiv. Experten raten deshalb von Extrembelastungen ab und empfehlen moderates Ausdauertraining. Dies stärkt nicht nur unsere Abwehrkräfte, sondern auch das bei einer Infektion wie COVID-19 enorm belastete Herz-Kreislauf-System und die Lunge. Besser „länger und locker“ laufen, schwimmen oder radeln als „kurz und heftig“. Wer sich nach dem Training total ausgelaugt statt angenehm erschöpft fühlt, hat übertrieben. Wichtig ist in jedem Fall, auf den Körper zu hören. Wer sich nicht sicher ist, länger keinen Sport gemacht oder gesundheitliche Probleme hat, sollte sich bei seinem Arzt über ein geeignetes Training informieren, das der Gesundheit und damit auch dem Immunsystem zuträglich ist.

Wichtig: Beim Outdoor-Sport deutlich mehr als 2 Meter Abstand halten  

Auch beim Sport im Freien gelten Abstandsregeln, das ist bekannt. Doch Wanderer, Läufer und Radfahrer sollten deutlich mehr als zwei Meter Abstand halten und den Windschatten anderer meiden, um sich vor einer Infektion zu schützen. Eine niederländisch-belgische Studie empfiehlt einen Mindestabstand von fünf Metern bei Spaziergängern, zehn Metern bei Joggern und 20 Metern bei Radfahrern, wenn man direkt hintereinander läuft oder fährt.