Resilienz: Widerstandskraft gegen Krisen

Menschen mit guter Widerstandskraft vereint scheinbar ein gewisses Maß an Spiritualität.

Sich trotz stressiger Umstände zurücklehnen und Abstand gewinnen – resiliente Menschen sind dazu in der Lage. | Bild: Volker Witt – Fotolia

9/11 ist bereits über 15 Jahre her. Doch noch immer beschäftigt das nationale Trauma Amerikas die Gemüter – und die Wissenschaft. Die Resilienzforschung hingegen beschäftigt sich damit, was der Mensch dem Erleben eines schweren Traumas entgegensetzen kann, um ihn vor einer posttraumatischen Störung oder Depression zu bewahren. Anscheinend besitzen manche Menschen eine besondere Art Widerstandskraft.

Nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center begleitete der New Yorker Psychologe George Bonanno 2 Jahre lang Menschen, die das Desaster aus nächster Nähe erlebt hatten und stellte fest, dass es zu vier Arten von Reaktionen bei den Überlebenden kam: Mitglieder der erste Gruppe zerbrachen an dem Schock und wurden langfristig psychisch krank. Auch bei der zweiten Gruppe kam es zu milden Psychosen und Stresssymptomen, diese waren aber nur von kurzer Dauer. Personen der dritten Gruppe waren zunächst wenig beeindruckt, entwickelten jedoch nach Monaten eine starke Depression oder eine posttraumatische Belastungsstörung. Aber es gab auch eine Gruppe, die die Krise mit großer Widerstandskraft und ohne psychische Beeinträchtigungen verarbeitete: die Resilienten.

Was ist Resilienz?

Es handelt sich bei der Resilienz, auf Deutsch auch Widerstandskraft genannt, um einen Begriff der modernen Psychologie, der erstmalig in den 1950er Jahren vom Psychologen Jack Block eingeführt wurde. Der ursprünglich lateinische Begriff der Resilienz bezeichnet eigentlich im Englischen die Eigenschaft, dass ein Werkstoff nach Krafteinwirkung wieder seine ursprüngliche Form und Position einnehmen kann. Der Begriff wurde dann von der Psychologie aufgenommen. Er wird definiert als die Fähigkeit, Krisen durch Nutzung von bestimmten Ressourcen zu meistern und diese Krisen sogar für die eigene Entwicklung einzusetzen. Doch bleibt es weiterhin umstritten, welche genauen Faktoren die Resilienz eines Menschen stärken.

Als resilient bezeichnet man im engeren Sinne Menschen, die trotz einer erschwerten Kindheit, trotz einer schweren Krankheit, Lebenskrise oder dem Verlust eines nahestehenden Menschen die Fähigkeit besitzen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich bietende Chancen zu ergreifen, ohne zu kapitulieren. Mittlerweile ist der Begriff in Mode gekommen, da eine hohe Resilienz auch im Alltag klare Vorteile zu haben scheint, und auch für Menschen benutzt wird, die Stress gut verarbeiten können. Inzwischen wird der Begriff Resilienz auch im normalen Arbeitsalltag in der Unternehmenspsychologie verwendet und auch der Markt für Resilienz-Training boomt kräftig.

Fähigkeit zur Resilienz – Charaktereigenschaften sind nur ein Aspekt

Besonders resiliente Menschen scheinen eher einen offenen und aktiven Charakter zu haben,um auf Probleme humorvoll zu reagieren und geistig flexibel zu bleiben. Auch ein gewisses Maß an Spiritualität oder eine enge Beziehung zu Musik, Kunst oder der Natur sind Aspekte, die krisenerprobten Menschen zugeschrieben werden. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die sozialen Beziehungen. Dabei geht es nicht nur darum, ein stabiles Netzwerk aus Familie und Freunden zu haben, sondern dass der Betroffene eine wirkliche Vertrauensperson hat, mit der er seine Sorgen teilen kann und die an ihn glaubt. Der Zusammenhalt in einer Gruppe, die die gleichen, oft stark ausgeprägten Werte teilt, ist ein Faktor, der augenscheinlich die Resilienz besonders stark erhöht. Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum manche weniger resiliente, durch Krisen gebeutelte Menschen dazu neigen, sich radikal religiösen oder politischen Gruppenverbänden anzuschließen, da sie sich von ihnen dringend benötigte Orientierung und Halt versprechen.

Wie entsteht Widerstandskraft – Neurowissenschaft forscht

All diese und noch weitere Faktoren lassen jedoch keine zuverlässigen Aussagen darüber zu, wie jemand eine Krise in der Zukunft meistern wird. Denn Resilienz gilt als prozesshaft und dynamisch. Sie entsteht im Moment der Verarbeitung der Krise – und es ist individuell verschieden, wodurch neue Hoffnung oder eine problemlösungsorientierte Denkweise letztlich entsteht. Erst im Nachhinein können bestimmte Merkmale identifiziert werden, die bei der Bewältigung ausschlaggebend waren.
Seit sich die Neurowissenschaft ebenfalls diesem Forschungsgebiet widmet, entstehen neue Denkansätze. So wie sich das menschliche Immunsystem mit einem Krankheitserreger auseinandersetzen muss, müsse jeder Mensch seine eigene Strategie finden, wie er besser mit einer Krise zurechtkomme. Das wird derzeit intensiv in sogenannten Neurofeedback-Experimenten erforscht. Dabei werden die Hirnsignale der Probanden nicht nur aufgezeichnet, sondern Ihnen auch als akustische und optische Computeranimation in Echtzeit vorgeführt. Die Animation lässt sich quasi durch die Macht der Gedanken steuern. Ist das Angstzentrum des Gehirns, die Amygdala, aktiviert, zeigt die Computeranimation Bilder, die Aufregung bzw. Erregung darstellen. Mit der Zeit lernen die Übenden dann, ihre Gedanken so zu steuern, dass sie die Animation beruhigen können. Der Ansatz hat viel Potenzial, denn zumindest unter Laborbedingungen lässt sich so die Resilienz trainieren. Ob das in der realen Welt ebenfalls funktioniert, wird sich in den kommenden Jahren zeigen, wenn die Probanden wieder einer „echten“ Krise ausgesetzt sind.

Laut Raffael Kalisch vom Deutschen Resilienz-Zentrum in Mainz, gilt es den Schlüssel herauszufinden, durch welche kognitiven Mechanismen sich der einzelne Mensch entspannt oder stresst. Diese entscheiden, ob eine Situation als Krise empfunden wird und wie schnell sich der Mensch an die äußeren Umstände anpassen kann. Womit wir wieder beim seelischen Gleichgewicht wären, von dem auch viele Mediationslehrer sagen, es entstehe durch die Verwurzelung mit der eigenen, inneren Welt. Das Ziel besteht darin, die eigenen Emotionen von äußerlichen Geschehnissen unabhängig zu machen. Um dieses seelische Gleichgewicht herzustellen, braucht man allerdings nicht unbedingt Yogi-Fähigkeiten. Es gibt viele wirksame Therapien oder Selbsthilfemaßnahmen, die dazu beitragen können. Eine Möglichkeit sind zum Beispiel homöopathische Komplexmittel, wie etwa Calmvalera Hevert. Sie stellen eine weitere unterstützende Ressource im Umgang mit besonderen emotionalen Belastungen dar, da sie sich positiv auf die Schlafqualität auswirken und innere Nervosität abbauen.

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Bild: Hevert




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