Kapitel 1: Homocystein – das neue Cholesterin

Ein geringer Anteil an Homocystein im Blutplasma ist normal. Steigt der Wert aber an, drohen ernste gesundheitliche Auswirkungen.

Ein geringer Anteil an Homocystein im Blutplasma ist normal. Steigt der Wert aber an, drohen ernste gesundheitliche Auswirkungen. | Bild: abhijith3747 – Fotolia

Homocystein wird von vielen bereits als „das neue Cholesterin“ bezeichnet. Entdeckt wurde es 1932 vom US-amerikanischen Biochemiker Vincent du Vigneaud. Aber erst 1962 erkannten Desmond Neill und Nina A.J. Carson vom nordirischen Royal Victoria Hospital in Belfast den Zusammenhang zwischen Homocystein und bestimmten Krankheiten, wie beispielsweise Osteoporose oder Alzheimer. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem gelegentlich als Zellgift bezeichneten Homocystein?

Homocystein ist eine Aminosäure, die nicht durch die Nahrung aufgenommen wird, sondern als kurzfristiges Zwischenprodukt im Stoffwechsel des Menschen entsteht (Methionin-Stoffwechsel). Der Schwefellieferant Methionin wird für den Eiweißabbau benötigt. Im Zuge dieses Stoffwechselprozesses spaltet sich unter anderem Homocystein ab. Unter normalen, „gesunden“ Umständen baut der Körper dieses Zwischenprodukt unter Zuhilfenahme der Vitamine B6, B12 und Folsäure um bzw. zu unschädlichen Stoffen ab.

Solch ein Vorgang findet jede Sekunde in fast allen menschlichen Zellen milliardenfach statt. Das Blutplasma gesunder Menschen enthält auf diese Weise immer einen geringen Anteil an Homocystein. Doch der Körper braucht es weder für den Baustoffwechsel noch für unmittelbare physiologische Funktionen. Viele Ärzte warnen mittlerweile davor, einen erhöhten Homocysteinspiegel nicht zu unterschätzen, sondern ihn regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Wie kann Homocystein gemessen werden?

Zur Bestimmung des Homocysteins dient eine Blutuntersuchung. Da ein Homocysteinwert von 30 bis 100 Mikromol/Liter (etwa 180 bis 600 Billiarden Teilchen des Stoffes pro Liter) einen äußerst hohen Risikofaktor für Gefäß- und neurologische Krankheiten darstellt, sollten auch gesunde Menschen ihr Homocystein mindestens einmal im Jahr messen lassen. Leiden Patienten an Erkrankungen wie Osteoporose, Alzheimer oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Mediziner mit einem erhöhten Homocysteinspiegel in Verbindung bringen, empfiehlt sich ein halbjährlicher Kontrollrhythmus.

Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko nehmen zu

Homocystein wird mit vielen Volkskrankheiten in Verbindung gebracht. Denn ein erhöhter Homocysteinwert führt zu einer zunehmenden Produktion von äußerst aggressiven Sauerstoffradikalen und vermindert zugleich die Stickstoffmonoxid-Bildung. Dieses Stickstoffmonoxid ist aber ein wichtiger Faktor für gesunde Gefäßinnenwände. Fehlt es und kommen weitere ungünstige Auslöser hinzu, bildet sich Plaque in den Arterien, was den Durchlass verengt und den Blutfluss entsprechend erschwert. Dadurch steigt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Ein erhöhter Homocysteinspiegel beschleunigt aber auch den Zelluntergang im Gehirn, wodurch Alzheimer und Demenz entstehen können. Darüber hinaus führt er zu einem erhöhten Risiko, an Osteoporose und Augenleiden zu erkranken.

Autor und Arzt Dr. Paul Hudson schreibt als Experte für das Homocystein-Netzwerk: http://www.homocystein-netzwerk.de/

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