Mit der Mind-Body-Medizin die Gesundheit fördern

Die Mind-Body-Medizin kann auch präventiv angewendet werden, um die Gesundheit zu fördern und Stress abzubauen.

Die Mind-Body-Medizin besagt, dass die innere Haltung die Heilungsaussicht verbessert. | Bild: styf – Fotolia

Werden wir krank, können wir den Verlauf der Krankheit und die Aussicht auf Heilung mit unserer inneren Haltung beeinflussen. Das besagt die Mind-Body-Medizin, die das Potenzial hat, Schulmedizin und Naturheilkunde zu verbinden. Die komplexe Methode wurde in amerikanischen Wissenschaftszentren ersonnen. Mind-Body-Medizin lässt sich auch vorbeugend anwenden, um die Gesundheit zu fördern oder um Stress abzubauen.

Was ist Mind-Body-Medizin?

Hervorgegangen aus der US-amerikanischen Stressforschung, wurde die Mind-Body-Medizin in den 1970er Jahren entwickelt, um ganzheitliche Behandlungskonzepte zu verbinden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt und praktisch bewährt ist. Trotz der naturheilkundlichen Ausrichtung werden für die Diagnostik moderne schulmedizinische Verfahren eingesetzt. Die Mind-Body-Medizin erforscht, welche Ressourcen es Menschen ermöglichen, persönliche Krisen und traumatisierende Lebenssituationen gesund zu überstehen. Ziel der in der Mind-Body-Medizin eingesetzten Maßnahmen ist es, diese Ressourcen freizulegen und so zu nutzen, dass die Selbstheilungskräfte aktiviert werden können. Die angestoßenen Veränderungen des Lebensstils, der Ernährung und der inneren Haltung entfalten langsam aber stetig ihre therapeutische Wirkung, weshalb sich die Mind-Body-Medizin besonders zur Behandlung chronischer Krankheiten eignet.

Mind-Body-Medizin aktiviert die Selbstheilungskräfte

Die wechselseitige Beeinflussung von Seele, Körper und Geist drückt sich auf verschiedenen Ebenen aus:

  • Emotionen
  • Ratio oder Verstand
  • Soziale Interaktionen
  • Spiritualität
  • Körpergesundheit

Die Gesundheit des Menschen findet auf jeder dieser Ebenen ihre Entsprechung, die in dieser Therapieform daher Berücksichtigung finden. Um diesem breiten Feld gerecht zu werden, bilden die Bestandteile der Mind-Body-Medizin eine Art „Best of“ bewährter Therapiekonzepte. Dazu zählen nicht nur die wissenschaftliche Medizin und Psychologie. Konzepte wie die Ordnungstherapie von Sebastian Kneipp, die Tanztherapie von Rudolf von Laban, die Psychosomatik von Thure von Uexküll, die Salutogenese von Aaron Antonovsky oder Naturheilverfahren wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Homöopathie können mosaikartig kombiniert werden, um ideal auf die Ganzheit der persönlichen Lebenssituation der Patienten einzugehen.

Relaxation Response, Salutogenese und Psychoneuroimmunologie

Besonders in den 1960er und 1970er Jahren gelangen Forschern bahnbrechende Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Körper und Geist, die später in die Mind-Body-Medizin einflossen:

Relaxation Response: Der Kardiologe Dr. Herbert Benson entdeckte den Schlüssel zur Wirkung der Transzendentalen Meditation. In seinen Studien zeigte er, dass regelmäßiges Meditieren einen positiven Einfluss auf Bluthochdruck, Stresslevel und Ruhepuls hatte. Er hatte damit eine wirksame Therapieform gefunden, um die permanent aktive „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ in dauergestressten Menschen zu behandeln. Viele stressbedingte Gesundheitsprobleme lassen sich daher mit Meditation behandeln, wie etwa

  • Fibromyalgie (bedeutet soviel wie Faser-Muskel-Schmerz)
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
  • Schlafstörungen
  • Angststörungen

Salutogenese: Dieses Konzept geht auf den Medizinsoziologen Aaron Antonov zurück. Er untersuchte in den 1970er Jahren bei Frauen, die in jungen Jahren in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren, wie gut sie sich an die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren anpassen konnten. Schnell wurde deutlich, dass manche der Frauen körperlich und geistig als vollständig gesund einzuordnen waren, während andere immer noch unter dem Trauma des Konzentrationslagers litten. Es stellte sich heraus, dass diese „gesunden“ Frauen einen besonders stark ausgeprägten „Kohärenzsinn“ hatten. Darunter versteht Antonov eine tiefere innere Zufriedenheit mit sich selbst und anderen Menschen. Drei Faktoren sind für diesen Zustand laut Antonov entscheidend:

  1. Verstehbarkeit
  2. Bewältigbarkeit
  3. Sinnhaftigkeit

Wer also den Zusammenhang zwischen Lebensereignissen versteht, diese Ereignisse bewältigen kann und ihnen eine Sinnhaftigkeit zuschreibt, dem fällt es leichter, seine eigene Existenz ebenfalls als „sinnhaft“ zu verstehen und positiver mit Krisen, Stress oder einschneidenden Erlebnissen umzugehen. Diese Fähigkeit wird auch als Resilienz bezeichnet.

Psychoneuroimmunologie: Ebenfalls in den 1970er Jahren wies der amerikanische Psychologe Robert Ader in Experimenten nach, dass ein Zusammenhang zwischen dem Nervensystem und der Kompetenz des Immunsystems besteht. Bei chronischem Stress und Depressionen kommt es zu einer Unterdrückung und Fehlfunktionen des Immunsystems. Besonders die Natürlichen Killerzellen sind dann in ihrer Aktivität gehemmt. Dem gegenüber stärken bestimmte Persönlichkeitseigenschaften das Immunsystem, wie zum Beispiel Optimismus, Selbstwert, Selbstwirksamkeit oder die Fähigkeit zu vielen sozialen Bindungen. Interessanterweise wurde auch bei Menschen, die über vielfältige Emotionen im Alltag berichteten, eine geringere Neigung zu Entzündungsprozessen im Körper nachgewiesen, ganz gleich, ob es sich um negative oder positive Emotionen handelte.

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Stressabbau mit Mind-Body-Medizin

Diese und vielfältige weitere Erkenntnisse zu psychoemotionalen Zusammenhängen wurden zusammengetragen, um gezielte Gesundheitsförderung und Anti-Stress-Therapien zu entwickeln. Laut Studien haben etwa 60 – 90 % aller Arztbesuche in der westlichen Welt einen Bezug zu Stress und dessen Folgen. Damit liegt der Hauptfokus der Therapie darauf, stressreduzierende Maßnahmen in den Alltag zu integrieren. Laut Anna Paul, die an der Universität Duisburg Mind-Body-Medizin lehrt, geht es dabei vor allem um Achtsamkeit, Entspannung und eine Veränderung des Lebensstils.

Zunächst wird dabei die Eigenwahrnehmung und Achtsamkeit sich selbst gegenüber geschult. Erst im zweiten Schritt werden konkrete ordnungstherapeutische Maßnahmen wie Ernährung, Bewegung, Stressvermeidung und Entspannungstechniken vermittelt. In Kombinationen mit schulmedizinischen Therapien können so viele Krankheiten behandelt werden, wie etwa Krebs, rheumatische Erkrankungen, Schmerzsyndrome oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach erfolgter Behandlung lässt sich bei vielen Patienten beobachten, dass sie im Alltag vermehrt für sich selbst und ihre Bedürfnisse sorgen.

Gesundheitsförderung und Prophylaxe

Was bei bereits Erkrankten gut funktioniert, kann auch im Rahmen einer Gesundheitsförderung bei Menschen ohne Symptome oder Krankheiten als sinnvoll erachtet werden. Prof. Dr. Gustav Dobos von der Klinik für Naturheilkunde am Knappschaftskrankenhaus in Essen-Mitte beobachtet immer wieder, dass Erkrankungen einen Spiegel der Biografien seiner Patienten darstellen – und nicht nur auf äußere Umstände zurückzuführen sind. Jeder trägt ein persönliches Leid in sich, das sich in Körper und Geist „abgelagert“ hat. In der Prävention ist es daher wichtig, sich seiner selbst bewusst zu werden, und mögliches Leid nicht einfach zu ignorieren.

Mittlerweile gibt es Institute, Ärzte, Heilpraktiker und Coaches, die die Mind-Body-Medizin in Form von Gesundheitstrainings in Unternehmen, Institutionen und für einzelne Personen vermitteln. In der Prävention spricht man allerdings eher von Stressmanagement oder Burnout-Prävention. Hier geht es besonders um zwei Ziele: Den effektiven Stressabbau im Alltag und die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wieder wahrnehmen zu lernen. Dafür ist es wichtig, dass die Menschen sich Möglichkeiten erschaffen, wieder zur Besinnung zu kommen.

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