Folgen für den Menschen: Macht der Klimawandel krank?

Nur allmählich wird vielen Menschen klar, welche Auswirkungen der Klimawandel auch auf sie haben wird.

Unser Glück liegt auch in einer sauberen Umwelt. Experten sehen im Klimawandel erhebliche Risiken für die Natur und Folgen für die Gesundheit der Menschen. | Bild: drubig-photo – Fotolia

Hitzewellen, Gletscherschmelze, Trockenheit, Überschwemmungen, Extremstürme – viele Schlagwörter werden in Zusammenhang mit dem weltweiten Klimawandel gebracht. Erst langsam wird uns bewusst, welche extreme Folgen der Klimawandel für den Menschen und vor allem für zukünftige Generationen hat. Denn auch im Bereich der Gesundheit sehen immer mehr Experten Auswirkungen des Klimawandels und rechnen mit steigenden Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten.

Das lesen Sie in diesem Artikel:

Folgen des Klimawandels – große Hitze belastet Herz und Kreislauf
Wasserknappheit durch Klimawandel – Infektionsherd
Infektionsrisiken durch neue Krankheitserreger
Klimawandel – Allergien weiter auf Vormarsch
Naturkatastrophen und Epidemien
Folgen des Klimawandels für die mentale Gesundheit

Folgen des Klimawandels – große Hitze belastet Herz und Kreislauf

Hitzewellen stellen eine große Belastung für alte Menschen und chronisch Erkrankte dar. In Österreich nahmen sich Klimaforscher dieses Themas genauer an. Sie gehen davon aus, dass die Anzahl der Hitzetoten allein in Österreich von derzeit einigen Hundert auf ca. 3.000 in den kommenden 20 Jahren ansteigen könnte. Laut Modellrechnungen könnte sich bereits Mitte dieses Jahrhunderts die Anzahl der Hitzerekordsommer stark erhöhen: Es kommt dann nicht mehr nur alle 20 Jahre dazu, wie noch vor der Jahrtausendwende, sondern eher etwa alle 10 Jahre. Die drastischen Auswirkungen anhaltender Hitzewellen ließen sich schon 2003 beobachten. In dem Rekordsommer starben europaweit etwa 70.000 Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen. Steigende Temperaturen haben vor allem in Städten noch einen weiteren Effekt. Sie verstärken die Luftverschmutzung mit Schadstoffen wie bodennahem Ozon. Die Folge: Das Risiko, an einer Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, steigt ebenfalls an.

Gleichzeitig warnen Umweltmediziner vor einer höheren UV-Strahlenbelastung. Denn bei warmem Wetter verbringen die Menschen, zumindest in unseren gemäßigten Breiten, immer längere Zeiträume im Freien und sind somit anfälliger für Strahlenschäden. Einen gegenteiligen Effekt dürfte die extreme Hitze in Regionen wie dem Persischen Golf haben. Im Sommer heizt sich dort die Atmosphäre mittlerweile derart auf, dass die Menschen monatelang den Gang ins Freie scheuen. Durch die konsequente Meidung von Sonneneinstrahlung steigt dann die Gefahr eines Vitamin D-Mangels mit Folgen wie Osteoporose und Immunschwäche.

Die durch den Klimawandel verursachten vermehrt auftretenden Hitzewellen verstärken die Luftverschmutzung mit Schadstoffen.

Mehr Hitzewellen – eine Folge des Klimawandels, die dem Menschen schwer zu schaffen machen wird. | Bildnachweis: Jürgen Fälchle

Wasserknappheit durch Klimawandel – Infektionsherd

Die Verteilung der Niederschläge und vorhandenen Wassermengen verändert sich dramatisch. Mit den erhöhten Temperaturen kommt es zu stärkeren Verdunstungseffekten, Dürreperioden und Gletscherschmelzen in ungekanntem Ausmaß, so dass immer mehr Menschen unter Wasserknappheit leiden werden. Die weltweit zu beobachtende Ressourcenverschwendung beim Umgangmit Grundwasser wird noch verstärkt durch die zunehmende Privatisierung von staatlichen Wasservorkommen in Entwicklungsländern.

Neben dem Klimawandel sorgen aber auch die extensive Landwirtschaft und das Bevölkerungswachstum dafür, dass bereits 2040 nur 70 % der Menschheit ausreichend Wasser haben werden. Schon jetzt sterben täglich 4.000 Kinder unter 5 Jahren, weil die Frischwasserversorgung nicht gewährleistet ist. Stattdessen sind viele Menschen in Afrika und Asien zunehmend gezwungen, auf verseuchtes Fluss- und Seewasser zurückzugreifen. Lebensgefährliche Durchfall- und Wurmerkrankungen wie die Bilharziose nehmen weiter zu.

Infektionsrisiken durch neue Krankheitserreger

Wird es wärmer, migrieren auch Tiere, die Krankheitserreger an den Menschen weitergeben. Damit steigt auch hierzulande das Risiko, an bisher eher exotischen Infektionskrankheiten zu erkranken. Mücken, die als Überträger von Malaria, Chikungunya- oder Denguefieber gelten, sind bereits teilweise nach Mitteleuropa vorgedrungen. Das gilt für die Anopheles-Mücke (Malaria) wie auch die Asiatische Tigermücke (Denguefieber). Durch den Temperaturanstieg können diese Mücken sich in immer mehr Gegenden und selbst in höheren Regionen ausbreiten.

Zecken sind weltweit nach den Mücken die zweithäufigsten Krankheitsüberträger. Durch die höheren Durchschnittstemperaturen des Klimawandels kommt es zu einer verstärkten Produktion von Eiern und einem beschleunigten Lebenszyklus. Wo mehr Zecken gedeihen können, steigt auch das Risiko, an Lyme-Borreliose oder der Frühsommer-Meningoenzephalitis zu erkranken. Ein Forscherteam der Yale School of Public Health fand heraus, dass verschobene Jahreszeiten nicht nur die Anzahl der Zecken beeinflusst, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, an Lyme-Borreliose zu erkranken.

Klimawandel erfordert Konzepte zur alternativen Energiegewinnung

Alternative Energiegewinnung ist alternativlos! Um der Gesundheit des Menschen willen. | Bild: artjazz – Fotolia

Klimawandel – Allergien weiter auf Vormarsch

Die Pollenflugsaison verlängert und verändert sich laufend. Denn das Klima steuert Wachstum, Blütezeit und Pollenflug der allergenen Pflanzen. Durch die gestiegenen Temperaturen in Mitteleuropa blühen diese Pflanzen mittlerweile deutlich früher. Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass sich die Wachstumsperiode der Heuschnupfen auslösenden Pflanzen in den letzten Jahrzehnten in unseren Breiten um bis zu zwei Wochen ausgedehnt hat. Doch auch die Pollenkonzentration ist gestiegen, was besonders auf die gestiegene CO2-Konzentration zurückzuführen ist. Es kommt zu einem so genannten CO2-Düngeeffekt.

Durch die höheren Temperaturen können sich auch nicht-heimische Pflanzen, wie zum Beispiel Ambrosia, vermehrt in Deutschland verbreiten. Die Pollen der aus Nordamerika eingeführten Ambrosia sind hochallergisch und sorgen zwischen August und September für starke Allergiebeschwerden.

Naturkatastrophen und Epidemien

US-Forscher, die in 2012 die Ursache von 12 Extremwetterphänomenen untersuchten, kamen zu dem Schluss, dass mindestens die Hälfte dieser Naturkatastrophen durch die Folgen des Klimawandels verstärkt wurde. Auch Dürreperioden und heftige Regenfälle gehörten zu den analysierten Phänomenen.

Überschwemmungen gefährden die Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und Nahrungsmittelhygiene im Katastrophengebiet. Dadurch kommt es nicht selten zu Wasserverunreinigungen, die Krankheiten wie Cholera, Typhus und Hepatitis A verursachen können. Auch das Tetanusrisiko steigt, da Überlebende häufig tiefere Hautverletzungen davontragen. In Notunterkünften können aufgrund der dichten Belegung Masernepidemien auftreten. Die Wassermassen bieten auch einen Nährboden für Mückenbrutstätten, sodass in tropischen Regionen die Gefahr von Malaria oder Denguefieber steigt.

Folgen des Klimawandels für die mentale Gesundheit

Psychische Schäden werden im Zusammenhang mit Extremwetterereignissen meist übersehen. Dabei stellt der Umgang mit dem Verlust eines Angehörigen, eines Freundes oder des eigenen Besitzes durch Naturkatastrophen eine erhebliche psychische Belastung dar. In einem Report warnt die American Psychological Association (APA) vor den Effekten des Klimawandels auf das psychische Wohlbefinden. Ein weiterer Effekt entsteht demnach durch die Migration, wenn zunehmende Temperaturen und ein gestiegener Meeresspiegel Menschen zu Umsiedelungen zwingen. Depressionen, Aggression, Drogenabhängigkeit und Angststörungen – diese Reaktionen sind nach Naturkatastrophen verbreiteter als angenommen.

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