Gesundheit in Deutschland – 2014: Gesundheitsjahr

Über unsere Gesundheit entscheiden viele Faktoren: Veranlagung, Ernährung, Bewegungsverhalten, Umweltbedingungen, sozialer Status, zwischenmenschliche Beziehungen, Ausgeglichenheit zwischen Zeiten der Anspannung und Entspannung, Arbeitsbedingungen, Freiheit, Sicherheit, Zufriedenheit und Selbstvertrauen

Über unsere Gesundheit entscheiden viele Faktoren: Veranlagung, Ernährung, Bewegungsverhalten, Umweltbedingungen, sozialer Status, zwischenmenschliche Beziehungen, Ausgeglichenheit zwischen Zeiten der Anspannung und Entspannung, Arbeitsbedingungen, Freiheit, Sicherheit, Zufriedenheit und Selbstvertrauen. | Bild: drubig-photo – fotolia

Was bedeutet denn eigentlich Gesundheit? Ist derjenige gesund, der keine Krankheiten hat? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert den Begriff viel umfassender: „Gesundheit ist ein Zustand von vollständigem physischen, geistigen und sozialen Wohlbefinden, der sich nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet“ (1) – Gesundheit hat demnach eine körperliche, seelische aber auch soziale Komponente.

Über unsere Gesundheit entscheiden viele Faktoren: Veranlagung, Ernährung, Bewegungsverhalten, Umweltbedingungen, sozialer Status, zwischenmenschliche Beziehungen, Ausgeglichenheit zwischen Zeiten der Anspannung und Entspannung, Arbeitsbedingungen, Freiheit, Sicherheit, Zufriedenheit und Selbstvertrauen. Einige Faktoren wie unsere Veranlagung können wir zwar nicht ändern, aber durch einen gesunden Lebensstil, durch Zufriedenheit und finanzielle Sicherheit die genetische Hypothek abmildern. Auch Umwelt- und Arbeitsbedingungen sind vorgegeben, jedoch sind auch sie in ihrer Auswirkung auf unser Wohlergehen modellierbar. Für viele Faktoren wie Ernährung, Bewegung, zwischenmenschliche Beziehungen oder Stress und Entspannung sind wir selbst verantwortlich.

Wie gesund fühlen sich die Deutschen?

Aufschluss darüber gibt der Gesundheitsmonitor des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH), der in jedem Quartal auf Basis einer repräsentativen Befragung von 1.000 Verbrauchern zu gesundheitsrelevanten Themen erstellt wird.(2) Demnach sind 9 von 10 Befragten mit ihrem privaten Umfeld zufrieden (Werte 1-3 auf einer 7er-Skala), 8 von 10 bezeichnen ihre Lebensbedingungen als ausgezeichnet (Werte 1-3 auf einer 7er-Skala) und 7 von 10 sind mit ihrer gesundheitlichen Situation zufrieden (Werte 1-3 auf einer 7er-Skala). Während Menschen mit Hauptschulabschluss und niedrigem Einkommen weniger zufrieden mit ihrer subjektiv empfundenen Gesundheit waren, stieg das Gesundheitsbefinden je höher das Einkommen und die Schulbildung waren. Bezogen auf das Alter wiesen die 30 bis 39-Jährigen die besten Werte auf, zwischen dem 40. und 59. Lebensjahr sanken sie unter den Durchschnitt, um nach Erreichen des 60. Lebensjahrs wieder zu steigen.

Wie gesund leben die Deutschen?

Laut einer Untersuchung der Deutschen Krankenversicherung, dem DKV-Report 2012, sind 60 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass sie gesund leben. Ob das so stimmt, wird an den Bereichen körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, Nichtraucherstatus, moderater Alkoholkonsum und Umgang mit Stress untersucht. Das Kriterium „Gesundes Leben“ gilt demnach nur dann als erfüllt, wenn in allen fünf Bereichen die Sollwerte erreicht werden.

Körperliche Aktivität: Das Soll liegt laut WHO bei 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche. Erreicht wird es von 54 Prozent. Interessant beim Bewegungsverhalten war die Erkenntnis, dass Menschen über 65 Jahre körperlich aktiver sind als etwa die 18- bis 29-Jährigen und dass Menschen mit Hauptschulabschluss ihr Bewegungssoll hauptsächlich in der Arbeit erfüllen, während Akademiker es in der Freizeit erreichen. Da arbeitsbedingte Bewegung häufig einseitige Belastungen beinhaltet, muss ihr gesundheitlicher Nutzen mit einem Fragezeichen versehen werden.

Ernährung: Für die gesunde Ernährung lieferte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Vorlage: eine vollwertige Ernährung mit Gemüse, Obst und Fisch, wenig Fleisch, wenig Süßigkeiten und Knabbereien, regelmäßige Mahlzeiten und Ruhe zum Essen. Wie die DKV-Untersuchung ergab, erfüllten 47 Prozent diese Voraussetzungen.

Verzicht auf Nikotin und Alkohol in Maßen: Die Vorgabe beim Rauchen erfüllten mit 78 Prozent mehr Menschen gegenüber der letzten Befragung. Da waren 75 Prozent Nichtraucher. Auch beim Alkohol war der Trend zu einem gesundheitsbewussteren Trinkverhalten feststellbar. Obwohl der gelegentliche Konsum von 300 ml Bier (etwas mehr als einem Viertelliter) oder 200 ml Wein (ein halber Schoppen im pfälzischen und alemannischen Sprachgebrauch) eher niedrig angesetzt war, erfüllten 84 Prozent der Befragten diese Bedingung.

Stressbewältigung: Wer durch Sport, Bewegung, Entspannungsübungen, soziale Aktivitäten, Lesen oder Musik hören den subjektiv empfundenen Stress abbaut, erfüllt auch die letzte Forderung für einen gesunden Lebensstil.

Nur 11 Prozent erfüllen die Bedingungen eines gesunden Lebensstils

Gemessen an diesen Kriterien erfüllten nur 11 Prozent der Befragten die Vorgaben, das heißt nur etwa jeder 9. Deutsche lebt gesund. Besonderen Handlungsbedarf stellt der DKV-Report in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung fest. Dass diese drei Bereiche auch die neuralgischen Punkte bei dem Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung sind, untermauern folgende Zahlen: 58,2 Prozent der Deutschen sind übergewichtig (3), rund 20 Prozent haben chronische Rückenschmerzen (4) und Rückenschmerzen sind der Krankheitsgrund Nr. 1 bei den Fehlzeiten (5). Laut dem Fehlzeitenreport 2012 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK entfallen 10 Prozent der Fehlzeiten auf stressbedingte psychische Erkrankungen, Tendenz steigend. (6)

Gesundheit eine öffentliche und eine private Aufgabe

Den Auftrag der öffentlichen Hand, für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen, formuliert das Regionalkomitees für Europa der WHO in dem Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“: „Erhebliche Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, Abbau von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, Stärkung der öffentlichen Gesundheit und Gewährleistung nachhaltiger bürgernaher Gesundheitssysteme, die flächendeckend sind und Chancengleichheit sowie qualitativ hochwertige Leistungen bieten.“ (7) Damit ist keineswegs die Eigenverantwortung der Menschen für ihre Gesundheit hinfällig, auch wenn 31 Prozent der Deutschen laut Deutschem Gesundheitsmonitor dieser Auffassung sind und Gesundheitsvorsorge als Aufgabe des Staates betrachten.(2, 8)

Was Sie für Ihre Gesundheit tun können

Werden Sie körperlich aktiv und fit: Körperlich aktiv sein fördert nicht nur das Wohlbefinden, es ist auch hervorragend dazu geeignet, den Körper gesund zu halten und Krankheiten vorzubeugen. Gehen Sie nach einem stressigen Tag einfach ein halbe Stunde spazieren, statt sich ausgelaugt auf die Couch vor den Fernseher zu legen. Sie werden erstaunt sein, wie ausgeruht und frisch Sie sich danach fühlen. Körperliche Aktivität steigert den Sauerstoffverbrauch, baut Muskulatur auf, aktiviert den Stoffwechsel und baut Stress ab; sie beugt aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose (Knochenschwund) vor und verbessert den Zuckerstoffwechsel bei Diabetes. Dabei ist der positive Effekt umso größer, je häufiger Sie körperlich aktiv sind.

Ernähren Sie sich ausgewogen: Eine gesunde Ernährung versorgt Sie mit allen notwendigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Wie eine vollwertige Ernährung aussieht, haben Nahrungsmittel experten wie zum Beispiel Dr. Nikolai Worm vorgestellt.



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