FOMO – die Angst etwas zu verpassen

FOMO ist die Bezeichnung für eine moderne zivilisatorische Form der Angst: die Angst etwas zu verpassen! Sie steht in Verbindung mit einer Form von sozialem Aktionismus in den digitalen Medien. Die Erfahrungen der Community zu kommentieren, zu liken oder zu teilen, bedeutet, an diesen Erfahrungen teilzuhaben, zur Gemeinschaft dazu zu gehören. Hinter der FOMO stecken also Verlustängste, die Angst, den sozialen Anschluss zu verlieren.

FOMO beschreibt die Angst, etwas zu verpassen (The fear of missing out). Oder besser gesagt: die Angst davor, dass Andere Erfahrungen machen, die man selbst nicht macht. Bild: stanciuc | fotoliaYellow paint line on the road against asphalt background. Conceptual image

„FOMO” (Englisch: Fear of missing out), oder die Angst, etwas zu verpassen, nimmt in den modernen Gesellschaften stetig zu. Facebook, Twitter, WhatsApp und Liveblogs geben einen tiefen Einblick in den Alltag von Freunden und zeigen uns immerzu, was wir selbst gerade nicht erleben. Hinter FOMO stecken aus psychologischer Sicht oft Bindungsstörungen und der digitale Lebensstil.

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Bei der Fear of Missing Out (FOMO) handelt es um eine Form gesellschaftlicher Angst mit der zwanghaften Sorge, eine Gelegenheit sozialer Interaktion, eine neue Erfahrung, eine lohnende Investition oder ein befriedigendes Ereignis zu verpassen. Diese Angst wird besonders mit neuen Technologien, wie Smartphones, und Social Media in Verbindung gebracht. Obwohl insbesondere Digital Natives häufiger als andere davon betroffen sind, weil sie von Beginn an die feste Integration sozialer Medien in ihr Leben praktizieren, kann FOMO alle Altersgruppen betreffen. Denn die Internetnutzung in Deutschland, angeführt durch soziale Dienste, wie WhatsApp und Facebook, nimmt seit 20 Jahren konstant zu, und liegt Schätzungen zufolge bei derzeit 83% der Gesamtbevölkerung.

Psychologische Hintergründe der FOMO

Die meisten Betroffenen wissen natürlich, dass andere ihnen in den sozialen Medien keine Abbildung ihrer Wirklichkeit präsentieren, sondern vor allem positive Eigendarstellungen posten. Trotzdem messen sie sich an den verzerrten Standards, die tagtäglich über die Bildschirme flimmern. Kein Wunder, dass die zwanghafte Angst, ein Ereignis zu versäumen, nicht mehr auf dem Laufenden zu sein oder im Job etwas zu verpassen, inzwischen weit verbreitet ist. Die Medienforschung wurde erst kürzlich auf das Phänomen aufmerksam. Die erste Studie zu dieser psychologischen Störung entstand 2013: Motivational, emotional, and behavioral correlates of fear of missing out. Die Forscher wiesen nach, dass FOMO mit einer starken Nutzung sozialer Netzwerke einhergeht und häufiger Menschen betrifft, deren soziale Grundbedürfnisse nach Liebe oder Respekt weniger gut befriedigt sind und die mit ihrem Leben insgesamt unzufriedener sind.

Bindungslosigkeit als eine wichtige Ursache

Manche Psychologen sehen Bindungsstörungen, die aus der Kindheit stammen, als einen ursächlichen Faktor. Wer in seiner Kindheit kein vertrauensvolles Verhältnis zu Eltern oder Erziehungspersonen aufbauen konnte, neigt im Erwachsenenalter zu Selbstzweifeln, chronischen sozialen Ängsten und einem Selbstbestätigungsdrang. Soziale Medien werden laut dieser These dazu benutzt, die eigene Einsamkeit in der digitalen Welt zu kompensieren.

Es gibt aber noch einen weiteren psychologischen Mechanismus: Die Neigung, ständig per Kommentar, Post, Like präsent zu sein, wird von der Angst geschürt, sozial ausgegrenzt zu werden. Diese Angst gibt es wohl immer schon in menschlichen Gesellschaften, jedoch wird durch das schiere Angebot an Möglichkeiten der sozialen Interaktion im Netz die Begrenztheit der eigenen zeitlichen Ressourcen schlagartig offensichtlich. Nicht bei der angesagten Party dabei gewesen oder seinen Urlaub dieses Jahr nicht in Australien verbracht zu haben, gefährdet potenziell den eigenen sozialen Status und die Beliebtheit bei anderen. Man will den anderen im Netz zeigen, dass man zu denen dazugehört, die wissen, was gerade angesagt ist.

Die Symptome der FOMO

FOMO kann im Wesentlichen auf zweierlei Ebenen Wohlbefinden und Gesundheit gefährden. Zum einen ist eine ausgeprägte FOMO mit ähnlichen Symptomen begleitet, wie die Internetsucht. Es kommt zu einer Art impulsivem Aktualisierungszwang oder zwanghaft häufigen Blicken auf das Endgerät, das als „Craving“ bezeichnet wird. Betroffene spielen ihre Gebrauchsgewohnheiten für gewöhnlich herunter und verbringen mehr Zeit im Internet, als eigentlich beabsichtigt. Auch körperliche Symptome, wie plötzliche Schwitzattacken, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder gar Nervenschädigungen kommen vor, da langes Surfen zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen führt. Muskelverspannungen, Übergewicht und Kreislaufprobleme sind typische Folgen einer falschen Sitzposition, stundenlangen Starrens auf den Bildschirm und des Bewegungsmangels. Durch die vermehrte Orientierung zum digitalen Medium und die dort investierte Zeit wird das reale Sozial- und Arbeitsleben beeinträchtigt. Dadurch kann es zu Verlustängsten, Angst vor Einsamkeit und einem verstärkten Bedürfnis nach Aufmerksamkeit kommen.

Tipps, wie Sie FOMO überwinden können

Kein Multitasking: Umfragen deuten immer wieder darauf, dass sehr viele Leute – zumindest in geringem Maße – von der FOMO betroffen sind. Wenn ihnen ihre eigene FOMO über den Kopf wächst, hilft vor allem die Rückbesinnung auf sich selbst. Es geht darum, den „Multitasking-Faktor“ des eigenen Lebens zu reduzieren. Wer sich nur auf eine Sache konzentriert, bis sie zu Ende geführt ist, trainiert aktiv seine Achtsamkeit und seine Fähigkeit, Gegenwärtiges zu genießen, anstatt bereits nach dem nächsten Reiz Ausschau zu halten. Dinge bewusst langsamer zu tun und dafür mehr Zeit einzuplanen, hilft dabei, die Lebensqualität zu steigern und Stress herauszunehmen.

Digitales (Intervall-)Fasten: Um reflexartiges Reagieren auf dringliche Impulse von außen abzubauen und besser zu kontrollieren, haben sich fest geplante Handy- und Chatpausen bewährt. Diese Pausen werden auch in der Konfrontationstherapie eingesetzt, die in der Therapie von Internetsucht eingesetzt wird. Paradoxerweise gibt es mittlerweile sehr erfolgreiche Apps, die das eigene Konsumverhalten protokollieren und einschränken. Und um gar nicht erst der WhatsApperitis zu verfallen, lassen sich viele Verabredungen oder Vereinbarungen sogar besser in einem kurzen Telefonat klären, als ständig Nachrichten hin- und her zusenden.

Beschränkung auf das Wichtige: Man kann sich unendlich viele Dinge wünschen, die in den sozialen Medien als unentbehrlich suggeriert werden, jedoch erfüllen sie selten die realen Notwendigkeiten und Grundbedürfnisse. Je besser wir zu eigentlich unwichtigen Dingen nein sagen können, umso mehr Zeit und Energie bleiben übrig für Dinge, die die eigene Lebensqualität wirklich bereichern:

  • Dazu gehört zum Beispiel auch, dass gute soziale Beziehungen mehr zur Zufriedenheit beitragen, als materielle Besitztümer.
  • Wer das eigene Handeln danach ausrichtet, was er für Erfahrungen macht, anstatt danach, wie sehr ein Post darüber seinen sozialen Status erhöht, entkommt ebenfalls einem wirkmächtigen Druckmittel der FOMO.
  • Dankbarkeit für das, was wir haben, anstelle dessen, wonach wir uns sehnen, ist ein wirksames Mittel, um sich auf das eigene Leben und dessen positive Aspekte zurückzubesinnen.


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