Adipositas-Ursache: Dauerhunger und Nimmersatt! Neue Erkenntnisse zur Ursache für starkes Übergewicht

Als Adipositas-Ursache galt bislang u.a. ein gestörter Transport des Sättigungshormons Leptin.

Immer Hunger, kaum satt zu bekommen. Die Ursache für Adipositas liegt nicht unbedingt in der Lebensmittelauswahl. Adipositas ist eine Krankheit mit pathologischer Ursache. So kann beispielsweise das Sättigungsgefühl ausbleiben. | Bild: Vadym – Fotolia

Jede/r vierte Erwachsene in Deutschland ist stark übergewichtig. Ein Grund kann mangelndes Sättigungsgefühl sein. Wer nicht merkt, dass er satt ist, isst mehr als nötig. Bisher nahm man an, dass ein gestörter Transport des Sättigungshormons Leptin ins Gehirn dafür verantwortlich ist. Doch das ist so nicht richtig, wie Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München zeigen konnten.

Die Zahl der Menschen mit Adipositas ist in Deutschland ebenso wie in anderen Wohlstandsgesellschaften in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen. Aktuell haben etwa 24 Prozent, also fast jeder vierte erwachsene Deutsche einen Body Mass Index von 30 kg/m2 und sind demnach definitionsgemäß adipös, also stark übergewichtig. Zusätzlich sind 30 bis 40 Prozent aller Erwachsenen übergewichtig (BMI 25-29). Zu den Folgen von Übergewicht zählt ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Fettleber. Dazu kommen Gelenkbeschwerden oder Atemnot. Starkes Übergewicht (Adipositas) wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eigenständige Krankheit eingestuft.

Ursachen einer Adipositas

Die Ursachen einer Adipositas sind vielfältig und von Mensch zu Mensch verschieden. Denn wieviel wir essen, hängt von vielen Faktoren ab: Gene, Lebensumstände, Hormone, Stoffwechsel und nicht zuletzt der Psyche. Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und seinen seelischen Ursachen gerät immer mehr in den Blickwinkel. Laut Studienergebnissen neigt jeder Dritte dazu, viel und kalorienhaltig zu essen, um emotionale Belastungen auszugleichen. Oft sind es negative Gefühle wie Ärger, Trauer, Einsamkeit oder Langeweile.  Weit verbreitet ist auch das Phänomen des Stress-Essens, das nicht nur übergewichtige Menschen kennen. Bei Stress werden große Mengen des Hormons Cortisol ausgeschüttet.  Cortisol steigert das Hungergefühl, was auf Dauer zu Übergewicht beziehungsweise Adipositas führen kann. Angesichts der ständig steigenden Zahlen adipöser Menschen läuft die Adipositas-Forschung auf Hochtouren. Dem Team um Dr. Paul Pflüger in der Abteilung Neurobiologie des Diabetes am Helmholtz Zentrum München ist es nun gelungen, einen Beitrag zur Entwicklung neuer Anti-Adipositas-Therapien zu leisten.

Ständig Hunger: Übergewicht und Leptin

Leptin wird vom Fettgewebe gebildet und spielt eine wichtige Rolle für unser Sättigungsgefühl. Durch die Blut-Hirn-Schranke erreicht das Hormon das Sättigungszentrum im Gehirn und aktiviert dabei bestimmte Rezeptoren in den Nervenzellen. So wird dem Gehirn Sättigung signalisiert – man hat keinen Hunger mehr und hört auf zu essen. Reagieren die Sättigungszentren des Gehirns nicht mehr auf Leptin (Leptin-Resistenz), wird man nicht mehr satt und isst mehr als nötig. Je mehr Fettgewebe im Körper vorhanden ist, umso mehr Leptin wird in das Blut freigesetzt. Die Vermutung war bisher, dass das Leptin durch eine Störung nur noch eingeschränkt durch die Blut-Hirn-Schranke transportiert wird. Somit kommt weniger am Sättigungszentrum an, der Hunger bleibt, obwohl genug Nahrung aufgenommen wurde. Ob das so stimmt, wurde aktuell von einem Forscherteam des Helmholtz Zentrum München untersucht.

These vom gestörten Leptin-Transport widerlegt

Mit Hilfe eines neuen 3D-Verfahrens konnten Forscher des Helmholtz Zentrums in München den Transport von Leptin erstmals sichtbar machen. Das Ergebnis: Sowohl bei dünnen als auch bei dicken Mäusen gelangte Leptin in ausreichender Menge in das Gehirn. Die Ursache für gestörtes Essverhalten, so die Schlussfolgerung der Forscher, muss also in den Nervenzellen selbst liegen. „Wir können die Ursache von Leptin-Resistenz nun eingrenzen und unsere Forschung auf die molekularen Mechanismen innerhalb der Nervenzellen fokussieren“, so Dr. Paul Pfluger vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung. Durch die weitere Entschlüsselung des Sättigungsverhaltens erhoffen sich die Forscher neue Therapien gegen Adipositas, die stark Übergewichtige gezielt beim Abnehmen unterstützen.



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