Immer noch Bettnässer? Homöopathie ist einen Versuch wert

Ist ein Kind ein Bettnässer, liegt dies häufig daran, dass die Kontrolle über den Blasenschließmuskel noch nicht voll entwickelt ist. Bei einem Bettnässer entleert sich die Blase deshalb unbemerkt im Schlaf.

Eltern können beruhigt sein. Bettnässer sind meistens Spät-Entwickler. Die Kommunikation zwischen Blase und Gehirn ist noch nicht ausgereift. So merken die Kinder den Harndrang nicht und wachen nicht auf. Bild: GiZGRAPHICS | fotolia

Manche Kinder werden früher trocken, andere später und gelegentlich gibt es auch Rückfälle. Das ist normal. Hält das Bettnässen nach dem 5. Lebensjahr weiter an, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Der medizinische Fachausdruck für Bettnässen lautet übrigens Enuresis. Bettnässen kann erfolgreich behandelt werden. Studien zeigen, dass auch Homöopathie bei Bettnässen gute Erfolge erzielt.

Enuresis ist definiert als eine normale vollständige Blasenentleerung am falschen Platz oder zur falschen Zeit und das wiederholt ab einem Alter von fünf Jahren mindestens ein- bis zweimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten. Enuresis ist nach Allergien die zweithäufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Etwa 15 Prozent der Fünf- und Sechsjährigen und noch jeder zehnte Siebenjährige sind betroffen. Selbst unter Erwachsenen gibt es noch 2 bis 3 Prozent Bettnässer. Am häufigsten ist die primäre Enuresis. Damit ist gemeint, dass ein über fünfjähriges Kind noch nie dauerhaft trocken war und dass das Bettnässen möglicherweise genetisch bedingt ist. Rückfälle nach mehr als sechs trockenen Monaten bezeichnen Mediziner als sekundäre Enuresis, für die auch psychische Ursachen verantwortlich sein können.

Hilfe für Bettnässer

Nur ein Besuch beim Arzt kann die Ursachen des Bettnässens klären. Dort werden neurologische, Ultraschall- und Harnuntersuchungen durchgeführt. Psychische Probleme und körperliche Erkrankungen wie neurologische Störungen oder Fehlbildungen der Harnleiter sind seltener als allgemein angenommen. Die meisten Kinder sind schlicht Spätentwickler. Das Gehirn des Kindes kann die Nervensignale der Blase noch nicht richtig erkennen und verarbeiten. Die Folge: Das Kind wacht nicht auf, wenn die Blase voll ist. Da auch die Kontrolle über den Blasenschließmuskel noch nicht voll entwickelt ist, entleert sich die Blase im Schlaf. Hier sind Verständnis und Geduld von den Eltern notwendig. Schimpfen oder gar Bestrafung nützen nichts, sie richten nur Schaden an. Auch das Kind am Abend weniger trinken lassen, hilft genauso wenig wie nächtliches Wecken, damit das Kind zur Toilette geht. Den Entwicklungsschritt, zu bemerken, wenn die Blase voll ist, wird das Kind am schnellsten machen können, wenn es sich geborgen fühlt.

Ist die Ursache genetisch bedingt, liegt oftmals ein ADH-Mangel vor. ADH, (antidiuretischen Hormon, ein Anti-Wasserlass-Hormon) wird nachts von der Hypophyse vermehrt ausgeschüttet und verringert die Harnbildung während der Nacht. Ist nicht genügend ADH vorhanden, füllt sich die Blase, die sich dann in der Tiefschlafphase unbemerkt entleeren kann. Zwar gibt es Medikamente mit dem Wirkstoff Desmopressin, eine synthetisch hergestellte Substanz, die dem körpereigenen ADH ähnlich ist. Jedoch lösen sie das Problem nur so lange sie eingenommen werden.

Alarm bei Bettnässen mit der Klingelhose

Wenn betroffene Kinder lernen, bei Harndrang selbstständig aufzuwachen, ist das ein großer Schritt. Und genau das lässt sich mit der sogenannten Klingelhose einfach trainieren. Bei dieser Methode ertönt ein akustisches Signal, sobald der in der Hose angebrachte Sensor mit Flüssigkeit in Kontakt kommt. Wacht das Kind von dem Weckruf auf, kann es auf die Toilette gehen. Bei 70 Prozent der Kinder bessert sich das Bettnässen, wenn sie mit dieser Methode zwei bis drei Monate an das selbstständige Aufwachen gewöhnt werden. Für die Eltern heißt es allerdings ebenfalls: wachsam bleiben. Gerade am Anfang kann es sein, dass die Kinder selbst durch das Klingeln noch nicht aufwachen. In diesem Fall sollten die Eltern ihre Kleinen sanft wecken, sobald die Klingelhose Alarm schlägt.

Homöopathie bei Bettnässen

Homöopathische Mittel, die sich bei Bettnässen bewährt haben, sind Belladonna, Causticum, Pulsatilla pratensis, Sepia officinalis und Equisetum. Dass eine homöopathische Behandlung wirksam sein kann, zeigte vor einigen Jahren eine Beobachtungsstudie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München. An der Studie nahmen 19 Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren teil, bei denen eine organische Ursache durch Voruntersuchungen ausgeschlossen worden war. Bettnässen fand bei den Studienteilnehmern mindestens einmal pro Woche tagsüber oder nachts statt. Eine ausführliche homöopathische Anamnese und körperliche Untersuchung erfolgte mit dem Ziel, das individuell passende homöopathische Arzneimittel (Konstitutionsmittel) zu finden. Außerdem standen ein Protokoll zur Häufigkeit des Einnässens und ein „Blasentraining“ mit verschiedenen Übungen auf dem Behandlungsplan. Nach vier bis sechs Wochen erfolgte eine Verlaufskontrolle, bei der bei Bedarf das Arzneimittel gewechselt wurde. Die Auswertung erfolgte über einen Zeitraum von fünf bis zwölf Monaten.

Das Ergebnis: Zehn Prozent der Kinder waren geheilt, bei 32 Prozent zeigte sich eine deutliche Besserung. Bei weiteren 21 Prozent besserte sich die Enuresis leicht. Die größten Erfolge wurden mit homöopathischen Mitteln wie Ferrum phosphoricum C6 oder Kreosotum C6 erzielt. Das Fazit der Studienautoren: Liegen keine organischen Ursachen für die Enuresis vor, ist ein die Standardtherapie (Klingelhose) ergänzender homöopathischer Therapieversuch durchaus sinnvoll.



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