Zwanghaftes Verhalten oder harmlose Marotte?

Zwanghaftes Verhalten beschäftigt Betroffene in Extremfällen viele Stunden am Tag

Wer nicht anders kann, als zwanzig Minuten lang zu kontrollieren, ob er die Tür richtig abgeschlossen hat, unterliegt zwanghaftem Verhalten, das mitunter hohen Leidensdruck erzeugt. | Bild: sarahdoow – Fotolia

Wer immer den Herd überprüft, bevor er die Wohnung verlässt, obwohl er nicht gekocht hat, oder vor Arbeitsbeginn die Stifte parallel zur Schreibtischkante ausrichtet, zweifelt bisweilen an seinem Verstand. Mit einer Zwangsneurose haben diese Marotten jedoch wenig zu tun. Entscheidend ist, wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen und wie stark sie den Alltag belasten.

„Genaue Wiederherstellung des Schreibtisches“ – notierte der Schriftsteller Thomas Mann 1938 nach seiner Ankunft in den USA. Schreiben konnte er nur, wenn jedes Stück an seinem Platz war. Friedrich Schiller brauchte dagegen den Geruch verfaulter Äpfel, um seine Werke zu schaffen. Seltsam ist das schon, behandlungsbedürftig nicht. Marotten und gewohnte Abläufe im Alltag wie das morgendliche Waschritual oder der gewohnte Ablauf beim zu Bett gehen helfen, ein Gefühl der Kontrolle über Unsicherheit im Alltag zu erlangen. Zwänge dagegen machen den Alltag sehr anstrengend und schränken die Lebensqualität stark ein.

Zwanghaftes Verhalten oder Marotte? Die Frage ist: Habe ich eine Wahl?

Der Übergang von normalem zu zwanghaftem Verhalten verläuft dabei oft fließend. Wer dreimal die Handtasche kontrolliert oder den Kaffee nur mit Löffel in der Tasse trinkt, muss sich keine Sorgen machen, solange man es nicht als Belastung empfindet und man das Gefühl hat, dass es nur eine dumme Angewohnheit ist. Bei einer echten Zwangserkrankung hat man dagegen keine Wahl. Wer unter Zwängen leidet weiß, dass es unsinnig ist, sich aus Angst vor Bakterien exakt dreißigmal die Hände zu waschen oder zwanzig Minuten an der Haustür zu rütteln, um zu kontrollieren, ob sie auch wirklich verschlossen ist. Dennoch kann er nicht anders. In Extremfällen beschäftigt der Zwang Betroffene viele Stunden am Tag, sodass ein normales Leben kaum noch möglich ist.

Studie: Baldrianextrakt beruhigt und hemmt zwanghaftes Verhalten

In der wissenschaftlichen Untersuchung war die einzige Nebenwirkung der pflanzlichen Therapie von zwanghaftem Verhalten mit Baldrianextrakt eine gesteigerte Müdigkeit.Standardmäßig werden Zwangsneurosen mit Psychopharmaka behandelt. Iranische Wissenschaftler gingen der Frage nach pflanzlichen Therapiealternativen nach und untersuchten den Effekt von Baldrianextrakt auf zwanghafte Gedanken und Handlungen. Bereits ab der vierten Woche wurde in der Baldrian-Gruppe eine deutliche Verhaltensbesserung beobachtet. Die einzige Nebenwirkung war eine gesteigerte Müdigkeit. Valeriana Hevert Beruhigungsdragees enthalten Baldrianextrakt (je Dragee 125 mg) in Kombination mit den ebenfalls die Reizbarkeit des zentralen Nervensystems herabsetzenden Naturwirkstoffen Passionsblume und Melisse.

 

>Sehen Sie hier unser Dossier zum Thema „Angst“



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