Insekten essen? Bei uns eher nicht!

Insekten essen ist in europäischen Ländern Exotik, in Zukunft könnte aber ein wesentlich größerer Teil des von uns benötigten Proteins von Insekten kommen.

Insekten, Spinnen oder Skorpione dienen in vielen Ländern der Welt schon jetzt als Nahrungsmittel. In den Westen kommt der Trend erst jetzt. | Bild: lukytoky – Fotolia

Insekten werden traditionell in einigen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas gegessen. Sie tragen zur Ernährung von rund zwei Milliarden Menschen bei. Sie liefern hochwertiges Eiweiß und sind zudem reich an ungesättigten Fettsäuren, B-Vitaminen, Ballaststoffen und Mikronährstoffen. Dennoch schütteln sich die meisten Menschen in der westlichen Welt bei dem Gedanken, Heuschrecken, Mehlwürmer und Co. zu essen.

Das lesen Sie in diesem Artikel:

Insekten kaufen
Insekten als Alternative zu Fleisch?
Insekten – ein sicheres Lebensmittel?
Akzeptanz von essbaren Insekten
Insekten als Nahrungsergänzung für Sportler oder Vegetarier?

Laut Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organisation) der Vereinten Nationen sind etwa 1.900 verschiedene essbare Insektenarten bekannt. In rund 140 Ländern der Erde dienen sie der Bevölkerung als Nahrungsmittel. Doch in der westlichen Welt stehen sie eher nicht auf dem Speiseplan. Dies soll sich bald ändern, meint die FAO und beruft sich auf Schätzungen der Vereinten Nationen, wonach 2030 neun Milliarden Menschen ernährt werden müssen. Grillen, Raupen, Würmer etc. als gute Eiweißspender und als Fleischersatz seien da unverzichtbar. Bereits seit 2003 beschäftigt sich die FAO mit dem Thema Insekten als Nahrungsquelle. Als Schwerpunkte für Forschung und Entwicklung zum Einsatz von Insekten im großen Stil als Lebens- und Futtermittel benennt die FAO die Förderung von Technologien zur Massenproduktion, die Gewährleistung von Lebens- und Futtermittelsicherheit, die Etablierung von gesetzlichen Rahmenbedingungen und Standards sowie die Förderung der Konsumentenakzeptanz.

Insekten kaufen

Was darf’s denn sein? 100 g gefriergetrocknete große Heuschrecken für knapp 60 Euro oder lieber 25 g einer ebenfalls gefriergetrockneten Insektenmischung bestehend aus Mehl-, Buffalowürmern und Heuschrecken zu knapp 12 Euro oder lieber 200 g Insekten-Pasta im Sonderangebot? Alles zum Selbstzubereiten. Oder ist Ihnen ein Insektenfertigmenü für die ganze Familie lieber (Preis über 60 Euro)? Sie können aber auch aus 100 g Insektenmehl selbst Pfannkuchen, Kekse oder Bratlinge herstellen.

In Online-Shops sind die bekanntesten essbaren Insekten jederzeit erhältlich.

Insekten essen – eine Alternative zum Fleischkonsum?

Warum sollten wir eigentlich Insekten essen? Insekten sind wie andere tierische Lebensmittel reich an Eiweiß, Vitaminen der B-Gruppe – besonders Vitamin B12 –, Ballaststoffen, den Spurenelementen Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan sowie den Mineralstoffen Phosphor, Selen und Zink. Außerdem sind sie cholesterin- und kohlenhydratarm. Gemessen wurden diese für die Gesundheit des Menschen zuträglichen Eigenschaften an gefangenen bzw. gesammelten Insekten. Um im größeren Stil Insekten zum Verzehr auf den Markt zu bringen, ist allerdings die Zucht von Insekten notwendig. In Thailand soll es bereits 20.000 registrierte Insektenzuchtbetriebe geben. Die FAO schreibt: „Insekten sind überall, pflanzen sich schnell fort und besitzen hohe Wachstums- und Futterumwandlungsraten …“ So werden laut einer Studie der FAO für ein Kilogramm Insekten zwei Kilogramm Futter benötigt. Im Vergleich dazu benötigen ein Kilogramm Rindfleisch acht und ein Kilogramm Schweinefleisch fünf Kilogramm Futtermittel. Was weiter für Insekten spricht: Sie haben „einen niedrigen umweltbedingten Fußabdruck über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg“. Diese Einschätzung der FAO wird von einer 2011 erschienenen Studie der niederländischen Universität Wageningen untermauert. Demnach produziert ein Schwein das bis zu Hundertfache an Treibhausgasen pro Kilogramm Wachstum im Vergleich zu etwa Mehlwürmern. Die Aussage der FAO, dass Insekten „auf Abfallströmen wie z.B. Lebensmittelabfällen kultiviert werden“ könnten, lässt jedoch vielerlei Fragen offen: Haben die so gezüchteten Insekten noch den Nährwert ihrer wild lebenden Artgenossen? Werden mit Abfällen aufgezogene Insekten von der EU als Lebensmittel anerkannt? Die Online-Vertreiber von Insekten als Lebensmittel werben zumindest auf ihren Homepages, dass die angebotene Ware aus europäischer, kontrolliert ökologischer Zucht stammt.

Insekten – ein sicheres Lebensmittel?

Im November 2015 hat die EU eine neue Verordnung (VO (EU) 2015/2283) verabschiedet, die zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist. Demnach fallen auch ganze Insekten, die für den Verzehr durch den Menschen bestimmt sind, unter „neuartige Lebensmittel“ und müssen als solche zugelassen werden. Für traditionelle Lebensmittel aus Drittländern wurden Zulassung und Markteintritt erleichtert: „Für traditionelle Lebensmittel aus Drittländern wird es eine effizientere Sicherheitsbewertung und einen erleichterten Marktzugang in die EU geben. Voraussetzung ist allerdings, dass eine mindestens 25-jährige sichere Verwendung außerhalb der Europäischen Union nachgewiesen wird.“

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schreibt zu den Risiken, die mit dem Verzehr von Insekten verbunden sind: „Bis heute gibt es noch keine verlässlichen Daten, die aufzeigen, dass die derzeit zum Verzehr angebotenen Insekten keine giftigen Substanzen enthalten, die bei einem erhöhten Konsum oder bei längerfristiger Aufnahme die Gesundheit schädigen können. Bestimmte Insektenarten enthalten bekannterweise von Natur aus toxische Substanzen wie zum Beispiel metabolische Steroide, die ein Risiko darstellen können.“

Insekten gelten generell als Überträger von Krankheitserregern, so dass bei den meisten, auch den essbaren Insektenarten, im rohen Zustand mit dem Vorkommen von bakteriellen Krankheitserregern, wie z. B. Salmonella spp. oder Shigatoxin-bildenden Escherichia coli gerechnet werden muss.“ Es gilt daher der dringende Ratschlag, Insekten keinesfalls roh zu essen. Besonders vorsichtig sollten Allergiker sein, da die an Eiweiß reichen Insekten allergische Reaktionen hervorrufen können. „Rechtliche Vorgaben zur Allergenkennzeichnung von Insekten existieren derzeit aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Datenlage und des aktuellen Angebots an Insektenprodukten nicht“, schreibt die Behörde weiter.

An manchen Orten in Asien kann man sich ein paar Insekten für den schnellen Imbiss neben anderen lokalen Spezialitäten direkt auf der Straße kaufen. | Bild: Maridav – Fotolia

Akzeptanz von essbaren Insekten

Da Insekten in der europäischen Essenskultur kaum oder nie eine Rolle spielten, erfüllt allein der Gedanke an Mehlwürmer, Käfer oder Heuschrecken auf dem Teller die meisten Europäer mit Ekel und Widerwillen. Aus Studien war bekannt, dass Insekten eher gegessen werden, wenn sie durch entsprechende Verarbeitung als solche nicht mehr erkennbar sind. Im August 2016 hat deshalb eine Studie des SoSci Panels untersucht, wie groß die Akzeptanz von Produkten auf Insektenbasis ist. Die Studie mit dem Titel „Essbare Insekten: Potenzielles Nahrungsmittel der Zukunft? Akzeptanz von Produkten auf Insektenbasis basierend auf der »Theorie des überlegten Handelns«“ kam zu folgendem Schluss: Die stärksten Einflussfaktoren waren Ekel auf der einen Seite und Neugierde, Geschmackserwartungen und die Annahme, dass wichtige Persönlichkeiten den Verzehr essbarer Insekten unterstützen, auf der anderen Seite. Die Grundeinstellung – ablehnend oder neugierig – wurde auch durch sachliche Information oder einen Erfahrungsbericht kaum beeinflusst.

Die vor allem durch das seit 2004 ausgestrahlte Dschungelcamp „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ hervorgerufene Neugierde führte zu der Eröffnung von Insektenrestaurants in einigen deutschen Städten. Viele haben mittlerweile wieder schließen müssen, denn auch die Neugierigen probieren in der Regel nur einmal Speisen aus Insekten und von Mutproben beim Junggesellenabschied kann auf Dauer kein Restaurant bestehen.

Insekten als Nahrungsergänzung für Sportler oder Vegetarier?

Sportler und Vegetarier haben bekanntermaßen eine hohen Bedarf an hochwertigem Eiweiß, Nährstoffen und vor allem Vitamin B12. Ob aber Vegetarier Insekten nicht als tierische Produkte betrachten, dürfte angezweifelt werden. Und der Bedarf an überwiegend in tierischen Lebensmitteln steckenden Vitalstoffen wie insbesondere Vitamin B12 lässt sich auch ganz fleisch- und insektenlos z. B. mit Vitamin B12-haltigen Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Vitamin B Complete Hevert, Vitamin B Komplex forte Hevert) decken.

>Sehen Sie hier unser Dossier zum Thema Insekten

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