Übersäuerung des Körpers – umstritten

Die Kartoffel kann als basisches Lebensmittel zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen.

Eine ausgewogene Ernährung sollte reich an Kartoffeln sein und ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen säure- und basenbildenden Lebensmitteln beinhalten. | Bild: fotoknips – Fotolia

Anhaltende Müdigkeit, Sodbrennen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übergewicht, sogar Rheuma und eine erhöhte Infektanfälligkeit werden mit einer Übersäuerung des Körpers in Verbindung gebracht. Ob das stimmt, darüber streiten sich Experten. Aber in einem Punkt sind sich Kritiker einig: Basische Lebensmittel wie etwa die Kartoffel sind gut für die Gesundheit. Allgemein sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

Unser Körper braucht zum reibungslosen Funktionieren einen ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt. Maßstab dafür ist der sogenannte ph-Wert im Blut, der normalerweise bei 7,40 liegt. Bereits Abweichungen von mehr als 0,05 bringen den Stoffwechsel durcheinander. Um den ph-Wert nicht nur im Blut, sondern auch in anderen Körperflüssigkeiten stabil zu halten, verfügt unser Körper über sogenannte Puffersysteme. Diese funktionieren auf chemischer Basis und neutralisieren sowohl saure als auch basische Stoffwechselprodukte. Ein weiterer Schutz gegen Übersäuerung ist das Bindegewebe. Es nimmt Schadstoffe auf und macht sie unschädlich.

Akute Übersäuerung

Dennoch kann es zu einer akuten Übersäuerung (metabolische Azidose) kommen, wenn in die Selbstregulation eingegriffen wird. Dies kann durch Medikamente wie z. B. Diuretika geschehen oder durch schwere Stoffwechselentgleisungen etwa bei Nierenversagen, Schock oder beim diabetischen Koma. Es gibt aber auch eine atmungsbedingte Übersäuerung (respiratorische Azidose) bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen oder bei Asthma.

Chronische Übersäuerung

Ob es diese überhaupt gibt, darüber streiten sich die Experten: „Ein gesunder Mensch hat etwa 20-mal so viele freie Basenmoleküle im Körper wie freie Säuremoleküle und damit einen gewaltigen Puffer, der ihn vor einer Übersäuerung schützt. Wenn wir zu viele säurebildende Nahrungsmittel essen, kommt es deshalb nicht zu einer „Übersäuerung“ – der Körper wird allenfalls weniger basisch. Eine verminderte Pufferkapazität wird rasch wieder ausgeglichen…“, so der Kinderarzt und Autor Dr. med. Herbert Renz-Polster. Befürworter der Übersäuerung wie z. B. das Zentrum der Gesundheit argumentieren: „Dabei ist den meisten Krankheiten und Beschwerden eine einzige Ursache gemein: Übersäuerung. Übersäuerung ist ein Zustand, der ganz zu Beginn eines jeden Leidensweges steht. Leider spürt man eine Übersäuerung anfangs nicht. Der menschliche Organismus versucht – oft über viele Jahrzehnte hinweg – eine bestehende Übersäuerung zu kompensieren. Das gelingt auch eine Zeitlang. Wie lange, das hängt von der individuellen Konstitution, dem Lebensstil und den persönlichen Reserven ab. Dann tauchen die ersten Symptome auf. Meistens fühlt man sich anfangs „nur“ ein wenig energielos, schlapp, müde und ohne jeglichen Antrieb. Im Laufe der Zeit kommen die verschiedensten Leiden und Symptome noch dazu. Da viele Medikamente die bestehende Übersäuerung noch verstärken, droht ein Teufelskreis nahezu ohne Ausweg.“ Man muss sich jetzt nicht für die eine oder andere Position entscheiden, denn beide stimmen darin überein:

Ungesunde Ernährung macht krank

Die heute übliche Ernährungsweise kann mit den drei Adjektiven charakterisiert werden: zu viel, zu fett, zu süß. Bei einer solchen Ernährung entstehen große Mengen an Abbauprodukten, die giftig und sauer sind. Unsere Ernährung ist vielfach arm an basischen Lebensmitteln. Weiterhin trägt ein bewegungsarmer Lebensstil dazu bei, dass Stoffwechselendprodukte lange Zeit im Körper verbleiben. Denn Bewegungsmangel erschwert es dem Körper zusätzlich, Abbauprodukte auszuscheiden. Einigkeit unter den Experten besteht, dass zu einer gesunden Ernährung ein ausgewogener Verzehr von säure- und basenbildenden Lebensmitteln und ausreichend körperliche Aktivität gehören.

Kartoffeln – gesunde Bodenschätze

Kartoffeln kannten schon vor über 2.000 Jahren die Vorfahren der Inkas. Ernährungsphysiologisch betrachtet besteht die Kartoffel in erster Linie aus Stärke. Das Wertvollste an ihr ist das biologisch hochwertige Eiweiß. Es entspricht in seiner Aminosäurensequenz dem körpereigenen Eiweiß. Kartoffeln enthalten fast kein Natrium, dafür aber umso mehr Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Außerdem besitzen sie die wertvollen Vitamine B1, B2, B5, B6 und C. Kartoffeln gehören zu den basenbildenden Lebensmitteln. Als „Gold der Inkas“ traten sie im 16. Jahrhundert ihren Siegeszug in Europa an. Leider ist ihr Verzehr seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland stetig gesunken zugunsten von mehr Fleisch, Fett und Süßem, nämlich von durchschnittlich 186 kg pro Kopf und Jahr auf 58,1, kg im Jahr 2015.

Saure und basische Lebensmittel

Eine ausgewogene Ernährung sollte daher reich an Kartoffeln sein und aus einem ausgeglichenen Verhältnis säure- und basenbildender Lebensmittel bestehen. Leider sagt unsere geschmackliche Identifikation von süß und sauer nichts darüber aus, welche Lebensmittel im Körper Säuren oder Basen bilden. Essig und Zitrone werden zwar als sauer empfunden, sind aber basenbildend. Umgekehrt schmecken Kuchen und Torten süß, wirken aber im Körper sauer. Säurebildend sind: Fleisch- und Wurstwaren, Fisch, Milchprodukte, Reis, Nudeln und Brot, Hülsenfrüchte, Süßigkeiten, Bier und Cola. Basische Lebensmittel sind: Gemüse, Salate und Pilze, Obst, Kräuter, Essig, Kefir, Molke, Honig, Marmelade, ungesüßte Gemüse- und Obstsäfte sowie Rotwein.

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Bild: Hevert