Kapitel 1: Faszinierende Faszien – Einheit von Körper und Geist

Faszien durchziehen unseren gesamten Körper. Sie schützen und halten Muskeln und das Skelettsystem und übertragen Informationen an das Gehirn. | Bild: RioPatuca Images – Fotolia

Faszien durchziehen unseren gesamten Körper. Sie schützen und halten Muskeln und das Skelettsystem und übertragen Informationen an das Gehirn. | Bild: RioPatuca Images – Fotolia

Immer wieder erkennen Forscher Neues an unserem Körper. Noch vor 15 Jahren galten Faszien als bloßes Bindegewebe, das Muskeln und Organe umhüllt. Mittlerweile wurde entdeckt, dass Faszien einem komplexen und intelligenten Sinnesorgan gleichkommen. Ihnen werden zahlreiche Funktionen wie etwa der Schutz der Muskeln vor Verletzungen aber auch die Übertragung von Informationen über Bewegungen und Organfunktionen an das Gehirn zugesprochen. Dr. Fidermuc Maler plädoyiert dafür, Faszien mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Das namhafte Lehrbuch über „Anatomie und Physiologie für Physiotherapeuten“ aus dem Jahr 2002 von Christoff Zalpour bezeichnet Faszien nur als Muskelhüllen, die den Muskel in seiner anatomischen Form halten. Seitdem und vor allem in den letzten sechs Jahren wurden viele bahnbrechende Erkenntnisse über das verkannte Bindegewebe gewonnen. So erforschten Wissenschaftler wie etwa Robert Schleip und Thomas Myers, dass die Faszien ein dreidimensionales Netzwerk bilden, das sowohl die einzelnen Muskeln als auch ganze Körperareale durchdringt und umschlingt.

Die faszinierenden Faszien fungieren als ein großes, hoch komplexes und intelligentes Sinnesorgan mit vielen Rezeptoren, die bestimmte chemische oder physikalische Reize an die Nervenleitbahnen weitergeben. Aus den Muskeln mit den dazugehörigen Faszien empfängt unser zentrales Nervensystem die meisten Informationen – und nicht von den anderen fünf Sinnen, wie die Schulmedizin lange annahm.

Untrennbar: Körper und Geist

Damit bilden Faszien einen wesentlichen Teil der Verbindung zwischen Geist (Mind) und Körper (Body). Diese Mind-Body-Verbindung im menschlichen Körper wird inzwischen allseits akzeptiert. So ist bekannt, dass negative Gedanken, Gefühle oder Emotionen dazu führen, dass der Körper giftige Substanzen (Cortison, Adrenalin, Noradrenalin) produziert. Wenn diese über einen längeren Zeitraum im Körper vorhanden sind, kann es zu ernsten, gesundheitlichen Problemen kommen. Der ganze Körper inklusive aller Organe denkt also mit. Sogar unsere Immunzellen tun es. Beispielsweise führen negative Gedanken wie „Sorgen haben“ dazu, dass auch die Immunzellen „in Sorge“ sind. Sie wollen in „Ruhe gelassen werden“ und leisten nicht die eigentliche Arbeit: den Schutz vor Krankheiten und degenerativen Prozessen.
Die Mind-Body-Verbindung existiert natürlich auch in unserem Fasziensystem. Diese Verbindung bestätigte ein Experiment. Es wurde eine Gruppe Patienten vollständig und die andere nur teilweise betäubt. Während der Betäubung wurden sie der gleichen Manipulation des Gewebes (zum Beispiel Kneten, Massieren, Ziehen, Drücken, Strecken, leichtes Springen) ausgesetzt. Die Ergebnisse waren überraschend, da sich die Gruppen deutlich unterschieden. Die Ursache dafür lag darin, dass bei den betäubten Patienten die sensorisch-neurale Komponente, also die Übertragung von Informationen aus den Muskeln und Organen über die Faszien, keine große Rolle gespielt hat. Im wachen, normalen Zustand schon.

Lesen Sie im zweiten Kapitel, was Faszien mit Bewegung und Gesundheit zu tun haben.

Lesen Sie hier alle Gästeblog-Beiträge von Dr. Zrinka Fidermuc Maler über Faszien und Selbstcoaching gegen Stress.



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