Gesund durch richtiges Atmen: die reflektorische Atemtherapie und ihre Übungen

Die reflektorische Atemtherapie wird in der Medizin für Indikationen wie Ventilationsstörungen oder Störungen des Bewegungsapparates und der inneren Organe eingesetzt.

Gesund durch richtiges Atmen: Die reflektorische Atemtherapie setzt auf eine korrekte Atemtechnik und hilft bei verschiedenen Erkrankungen | Bild: jesussanz – fotolia

Viele Menschen atmen unvollständig, verkrampft oder zu schnell. Dies schmälert die Sauerstoffversorgung und kann zu Krankheiten führen. Aber richtiges Atmen lässt sich lernen. Gesund durch richtiges Atmen: Die reflektorische Atemtherapie setzt auf eine korrekte Atemtechnik, um Müdigkeit vorzubeugen, Blutdruck zu senken und den Stoffwechsel anzuregen. Sie wird für Atemwegserkrankungen, Störungen des Bewegungsapparates und Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

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Unser moderner Lebensstil bringt häufig drei Faktoren mit sich, die als Hauptursachen einer Fehlatmung gelten:

  • Stress – er sorgt automatisch für eine flache, zu schnelle und abgehackte Atmung.
  • Übergewicht – das erhöhte Bauchvolumen drückt von unten auf das Zwerchfell. Dadurch wird vermehrt in die Brust oder in die Schultern geatmet.
  • Bewegungsmangel und sitzende Tätigkeiten – durch eine nach vornüber gebeugte Haltung wird das Atemvolumen stark eingeschränkt.

In der Folge nutzen viele Menschen nur einen geringen Teil ihres gesunden Atemvolumens. Dadurch wird die Sauerstoffaufnahme des Körpers verringert. Der Energiestoffwechsel der Zellen läuft auf Sparflamme.

Symptome und Folgen der Fehlatmung

Durch eine Fehlatmung kommt es nicht nur zu einem Sauerstoffmangel. Es treten auch Fehlhaltungen auf, die Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen können. Der Sauerstoffmangel führt zu Herz-Kreislauf-Problemen mit Bluthochdruck und einer erhöhten Belastung des Herzens. Aufgrund der verringerten Bewegung des Zwerchfells beim flachen Atmen werden die Verdauungsorgane weniger durchmassiert. Allgemeine Leistungseinbußen, wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, vermehrtes Gähnen, Nervosität und Depressionen sind häufig das Ergebnis dieser Störungen. Die Atemmuskulatur ist bei einer Fehlatmung häufig verspannt. Daher kommt es zu Engegefühlen im Brustraum mit Kurzatmigkeit oder gar Atemnot.

Häufige Fehlatmungsmuster, die mit Atemtherapie behandelt werden können

In der Atemtherapie werden verschiedene Fehlatmungsmuster unterschieden:

Brustatmung

Aufgrund von chronischem Stress spannen sich die Bauchmuskeln unbewusst dauerhaft an und verhindern so die tiefe Atmung bis in den Bauch. Das Schönheitsideal „flacher Bauch“ verleitet zum Anspannen der Bauchmuskeln mit dem gleichen Effekt. Die Folge ist: statt bis hinunter in den Rumpf erfolgt die Atmung nur in den Brustkorb.

Bauchatmung

Im entgegengesetzten Fall atmen manche Menschen ausschließlich in den Bauch hinein, ohne jedoch dabei den Brustkorb zu heben. Die Folge ist auch hier ein Sauerstoffmangel, weil die Lunge auf diese Weise nicht vollumfänglich belüftet werden kann.

Hochatmung

Bei der Hochatmung kann die Lunge sich nicht in den Brustraum oder in die Seiten des Brustkorbs ausdehnen. Zwangsläufig verschafft sie sich nach oben hin Platz. Erkennbar ist die Hochatmung an verspannten Halsmuskeln und dem Anheben der Schultern bei jedem Atemzug. Menschen mit einer Hochatmung neigen zum Seufzen. Sie versuchen immer wieder, durch einen „tiefen Atemzug“ den Sauerstoffmangel auszugleichen. Dabei atmen sie nur stärker, aber ebenfalls nach oben, statt in die Weite.

Fixierte Einatmung

Durch die Verspannung einiger Muskeln, die für die Einatmung wichtig sind, wird die Ausatmung behindert. Der Brustkorb ist durch einen Überschuss an Luft aufgebläht. Dieses Muster findet sich besonders bei Asthmatikern.

Fixierte Ausatmung

Hier kommt es zu einer Verspannung der Bauchmuskeln. Dadurch kann sich der Brustkorb nicht richtig weiten, und die Einatmung wird erschwert. Der Körper befindet sich in einer Art permanenter Ausatmung. Eine vorgebeugte Haltung begünstigt diese Fehlatmung. Chronischer Stress führt dagegen zu einer Verkrampfung der Bauchmuskeln, was die Einatmung ebenfalls behindert.

Was eine Atemtherapie leisten kann

Durch eine Atemtherapie lassen sich Muskelverspannungen lösen. Die Sauerstoffaufnahme wird zugunsten eines optimalen Energiestoffwechsels der Zellen erhöht. Zudem regt sie die Tätigkeit des Lymphsystems an, sodass sich der Körper besser von Schadstoffen befreien kann. Die bessere Sauerstoffsättigung des Blutes führt zu einer Normalisierung des Blutdrucks und einem erhöhten Stoffwechsel. So ist es sogar möglich, durch richtiges Atmen Gewicht zu verlieren. Da sich eine normale Atemfrequenz positiv auf die Herzfrequenz und -belastung auswirkt, wird das vegetative Nervensystem beruhigt und Stress abgebaut. Jenseits therapeutischer Einsatzgebiete wird vor allem auch im Sport mit speziellen Atemtechniken gearbeitet, um eine Leistungsverbesserung zu erzielen.

Die Ursprünge der Atemtherapie

Die Atemtherapie leitet sich größtenteils aus den fernöstlichen Kulturen ab. Dort werden seit Jahrtausenden Atemtechniken in Zusammenhang mit verschiedenen Meditationspraktiken eingesetzt. Diese Atemtechniken haben sowohl eine rituelle als auch eine naturheilkundliche Bedeutung. Besonders bekannt sind die Atemtechniken des Pranayama (Yoga-Atemtechniken), auf denen viele heutige Atemsysteme fußen. Aber auch aus dem Qigong und der Zen-Meditation sind viele Atemtechniken überliefert. Andere Techniken stammen wiederum aus dem Erfahrungsschatz der Apnoe-Taucher, die in der Lage sind, unter Wasser minutenlang die Luft anzuhalten.

Die Atemtherapie wird bei diesen Krankheiten eingesetzt

Eine ganze Reihe von Beschwerdebildern und Krankheiten können stark von einer Atemtherapie profitieren:

  • Atemwegserkrankungen, wie Atemnot Asthma, Lungenemphyseme, chronische Bronchitis und Lungenkrebs
  • Probleme des Bewegungsapparates, wie Wirbelsäulensyndrome, untere Rückenschmerzen, Schulter-Nacken-Verspannungen und Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Psychosomatische Erkrankungen, Stresszustände, Schlafstörungen, Burn-out-Symptome und Ängste
  • Schmerzen, Verspannungen und Kopfschmerzen
  • Beschwerden des Magen-Darm-Traktes

So funktioniert die reflektorische Atemtherapie

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Atemtherapien, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Besonders entwickelt und verbreitet ist die reflektorische Atemtherapie, die von Dr. Johannes Ludwig Schmitt und Liselotte Brüne in den 1950er Jahren ausgearbeitet wurde. Sie beinhaltet das Auflegen heißer Kompressen, die Massage von Muskeln, Sehnenansätzen und Triggerpunkten, sowie Vibrationen an Wirbelsäulensegmenten und am Brustbein. Hinzu kommt eine gezielte Atemgymnastik, die sich aus dem Yoga ableitet. Sie beinhaltet Dehnhaltungen, Gleichgewichtstraining und Zeitlupenbewegungen. Durch die reflektorische Atemtherapie wird die Lungenbelüftung angeregt und Bronchialschleim gelöst. Die Atemmuskulatur wird von Verspannungen befreit und Bewegungseinschränkungen der Atemmuskulatur bzw. des Zwerchfells bessern sich.



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