Heißhunger – Wenn nachts die Essattacken kommen

Heißhunger kann nachts den Schlaf der Betroffenen stören. Um nächtliche Essattacken zu vermeiden, braucht es Ursachenforschung.

Heißhunger kann viele Ursachen haben. Die richtige Diagnose hilft, ihn zu bekämpfen. Der plötzliche Hunger beispielsweise auf Süßes in der Nacht kann dadurch gestoppt werden. | Bild: pix4U – fotolia

Heißhunger kommt plötzlich und löst einen Zwang aus, sofort Energie in Form von Essbarem zuzuführen. Solche Ess- oder Fressattacken können zwar den ganzen Tag auftreten, doch nachts sind sie besonders häufig. Schon mit einem ausgewogenen Frühstück lässt sich der Heißhunger bekämpfen. Die Ursachen für den Heißhunger sind vielfältig. Verursacht aber auch der künstliche Süßstoff Heißhunger?

Das lesen Sie in diesem Artikel:

Heißhunger und Hunger: Der feine Unterschied und die Ursachen
Heißhunger – nachts hat er viele Gesichter
Night-Eating-Syndrom und schlafwandlerische Heißhungerattacken
Ursachen für Heißhunger
Krankheiten oder Nährstoffmangel
Heißhunger bei Psychosen und psychischen Problemen
Heißhunger und Diäten
Heißhunger und Übergewicht stoppen
Essattacken durch Stress?
Was hilft gegen stressbedingten Heißhunger?
Wenn Hormone Lust auf Essen machen
Heißhunger durch Süßstoff
„Fressattacken“ – Wann zum Arzt?

Heißhunger und Hunger: Der feine Unterschied und die Ursachen

Kennen Sie das? Sie sitzen an einer kniffligen Arbeit und vergessen die Zeit. Auch ans Essen denken Sie nicht, bis Ihr Magen zu knurren beginnt. Ihr leerer Magen verschafft sich Gehör und meldet, dass er dringend etwas zu essen braucht. Gleichzeitig wird das Hunger- und Sättigungszentrum im Gehirn informiert. Dies geschieht unter anderem durch Zusammenziehen des Magens und Abfall des Zuckerspiegels im Blut, aber auch Hormone und das vegetative Nervensystem sind an der Entstehung von Hunger beziehungsweise Sättigung beteiligt. Da das Gehirn seinen Energiebedarf hauptsächlich aus dem Blutzucker (Glukose) deckt, verlangt es nach sofortiger Auffüllung der Zucker-Reserven durch Essen. Solche Hungergefühle sind normal, beherrschbar und dienen der Lebenserhaltung. Heißhunger hingegen ist meist mit einem Kontrollverlust verbunden und hat andere Ursachen. Er kann von Krankheit, Stress, psychischen Problemen, einer Psychose, ungesunden Verhaltensweisen, Nährstoffmangel oder von Hormonen ausgelöst werden.

Aber auch normaler Hunger kann in Heißhunger übergehen. Wird er immer wieder durch Schokoriegel oder Kuchen gestillt, beginnt ein Teufelskreis. Diese zucker- oder weißmehlhaltigen Lebensmittel sind zwar schnell verfügbare Energielieferanten, die den Blutzucker rasch ansteigen, aber auch genauso schnell wieder abfallen lassen. Das bedeutet, das Hungergefühl stellt sich umso schneller wieder ein. Da diese schnell verwertbaren Kohlenhydrate dem Körper keine weiteren Nährstoffe liefern, nennen Ernährungsexperten sie auch leere Kalorienlieferanten.

Heißhunger – nachts hat er viele Gesichter

Heißhungerattacken im Zusammenhang mit Schlafwandeln stellen für die Betroffenen ein besonders großes Risiko dar.

Heißhunger in der Nacht kann zur Qual werden und neben Übergewicht auch Schlafstörungen begünstigen. | Bild: Valua Vitaly – Fotolia

Heißhunger kennt keine Uhrzeit. Er kann zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Bei nächtlichen Attacken werden Betroffene wach und können nicht wieder einschlafen, bis sie etwas gegessen haben. Verschlungen wird dann, was da ist, oft wird dabei der ganze Kühlschrank leergeräumt. Am nächsten Morgen sind Nachtesser dann unausgeschlafen und appetitlos. Die Versuche, die nächtlichen Essgelage tagsüber durch weniger Essen zu kompensieren, führen unweigerlich zum nächsten nächtlichen Essanfall.

So lange dies noch nicht krankhaft ist, kann mit einfachen Mitteln der Heißhunger bekämpft werden. Schon ein ausgewogenes Frühstückt trägt dazu bei. Denn morgens reagiert das Belohnungszentrums des Gehirns intensiver als abends. Das fanden Forscher der Brigham Young University in Provo, Utah heraus. Am Abend braucht demnach das Belohnungszentrum mehr Leckereien, bis es Befriedigung siganisiert. Eine entsprechend angepasste Ernährung über den Tag vermeidet Heißhunger abends und nachts. Oft wird Hunger auch mit Durst verwechselt. Zwischendrin ein zusätzliches Glas Wasser hilft ebenfalls.

Night-Eating-Syndrom und schlafwandlerische Heißhungerattacken

Bei einer Essstörung ist der Kampf schwieriger. Am sogenannten Night-Eating-Syndrom (NES) leiden schätzungsweise mehr als drei Millionen Deutsche, legt man die Zahlen aus den USA zugrunde, wo etwa vier Prozent der Bevölkerung von NES betroffen sind. Gefährlicher sind schlafwandlerische Heißhungerattacken, bei denen die Betroffenen nichts von ihren nächtlichen Essanfällen mitbekommen und oftmals auch nicht für den Verzehr Geeignetes essen, den Herd einschalten und vergessen, ihn wieder auszuschalten. Etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung in den USA weisen eine schlafbezogene Essstörung (Sleep Related Eating Disorder) auf, übertragen auf Deutschland wären das rund 1,2 Millionen Bundesbürger. Beide Essstörungen sind meist mit starkem Übergewicht und den damit einhergehenden Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden: hohe Blutfett-Werte, Bluthochdruck und Vorstufen der Zuckerkrankheit.

Auch die wiederkehrenden täglichen oder abendlichen Heißhungerattacken schaden der Gesundheit. Betroffene essen dann nämlich unkontrolliert große Mengen der Speisen, die ihnen ihr Kopfkino suggeriert. Das können Pizza, Hamburger, Pommes, Chips, Schokolade, Torten oder Gebäck sein. Binge-Eating Disorder nennen die Wissenschaftler diese Form der Essstörung, an der in Deutschland zwischen 800.000 und 2,4 Millionen Menschen leiden. Binge Eater sind meist übergewichtig. Die ständigen Versuche, mit strengen Diäten dem Übergewicht Herr zu werden, münden meist in chronischen Heißhunger.

Eine weitere Variante von Heißhungerattacken tritt in Verbindung mit der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) auf. Hier provozieren Betroffen nach dem unkontrollierten Essanfall Erbrechen. An Bulimie sind in Deutschland zwischen 1,5 und drei Millionen Menschen erkrankt.

Gleichgültig welche Form von krankhaftem Heißhunger vorliegt, allen gemein ist der Kontrollverlust verbunden mit anschließenden negativen Gefühlen wie Scham oder Schuld.

Ursachen für Heißhunger

Es gibt zahllose Gründe, warum jemand Heißhungerattacken entwickelt. Nahrungsentzug in Form von Diäten ist der häufigste. Da aber auch Krankheiten als Ursache in Frage kommen, sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden. Auch psychische Probleme können zu Heißhungerattacken führen. Da Essen gewöhnlich mit Wohlbefinden in Verbindung gebracht wird, liegt es nahe, Stimmungstiefs, Krisensituationen im Leben oder Depressionen mit Essen zu kompensieren. Ebenso ist es weit verbreitet, Stress durch Essen großer Mengen zu bewältigen. Auch Nährstoffmangel und hormonelle Veränderungen kommen als Auslöser für Heißhunger in Betracht.

Krankheiten oder Nährstoffmangel

Wer bei der Ernährung durch Diäten spart, riskiert sogenannte Fressattacken.

Heißhunger kann auch durch das Fehlen von Vitaminen begünstigt werden, die dann durch Ernährung oder medikamentös zugeführt werden sollten. | Bild: Picture-Factory – Fotolia

Mithilfe diagnostischer Verfahren kann festgestellt werden, ob hinter dem Heißhunger eine Erkrankung oder ein Nährstoffmangel steckt. So ist die Unterzuckerung mit Heißhunger auf Süßes Resultat schnell sinkender Blutzuckerspiegel, typisch für die Zuckerkrankheit. Aber auch Leber- und Nierenerkrankungen sowie Alkoholmissbrauch können zu einer Unterzuckerung führen. Zudem lassen uns auch Funktionsstörungen der Schilddrüse oder Wurminfektionen übermäßig viel essen. Die Behandlung der Grunderkrankung führt in diesen Fällen fast immer zum Verschwinden der Heißhungerattacken. Fehlen wichtige Vitamine und Mineralien, kann der Körper dies durch den Wunsch, mehr zu essen zum Ausdruck bringen. Ein Ausgleich fehlender Vitalstoffe durch eine ausgewogene Ernährung oder je nach Schwere auch medikamentös, löst in den meisten Fällen das Problem.

Heißhunger bei Psychosen und psychischen Problemen

Sorgen, Trauer, Ängste und das Gefühl einsam oder nicht anerkannt zu sein, sind Stimmungslagen, die sich auf das vegetative Nervensystem niederschlagen, was wiederum Auswirkungen auf das Hunger- und Sättigungszentrum im Gehirn hat. Unmengen Schokolade, weil man wieder einen Abend allein verbringen muss, Riesenpizza, weil man heute wieder alles erledigt hat, es aber niemandem aufgefallen ist. Essen füllt in diesen Fällen seelische Leere aus und wird zum Spender von Trost und Belohnung. Solche Verhaltensmuster sind vielen von uns aus der Kindheit vertraut: Das Überraschungs-Ei als Belohnung für Wohlverhalten oder ein Bonbon zum Trost für das aufgeschlagene Knie.

Wer wegen Depressionen oder Psychosen medikamentös behandelt wird, hat oft ein doppeltes Problem. Denn einige dieser Medikamente wirken auf das Hunger- und Sättigungszentrum und verstärken das Hungergefühl. Die Behandlung psychisch bedingter Heißhungerattacken gehört in die Hand eines Spezialisten.

Heißhunger und Diäten

Wer immer wieder im Hauruck-Verfahren versucht abzunehmen, verursacht mit seiner Kontrolle des Essverhaltens genau das Gegenteil, nämlich unkontrolliertes Essverhalten. Übrigens: Nur wer sich satt isst, kann dauerhaft abnehmen!

Heißhunger und Übergewicht stoppen

Regelmäßige Mahlzeiten mit einem hohen Anteil an Vollkornprodukten wie Brot, Nudeln oder Müsli, reichlich Gemüse, Salat und Obst vertreiben Hungergefühle und stoppen Heißhunger. Dabei muss jeder individuell entscheiden, ob für ihn fünf kleinere, über den Tag verteilte Mahlzeiten oder drei Hauptmahlzeiten ohne Zwischensnacks die praktikablere und angenehmere Variante sind. Wer hauptsächlich Heißhunger auf Süßes hat, für den sind Nüsse, Sonnenblumenkerne und reifes Obst ideal; wer eher Appetit auf Pommes und Chips hat, kann mit Oliven seiner Geschmackspräferenz nachgeben. Um Heißhungerattacken zu vermeiden, sind langsam verfügbare Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte und Gemüse wichtig, denn sie lassen den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen und es dauert länger, bis sich wieder ein Hungergefühl einstellt.

Essattacken durch Stress?

In Stresssituationen schüttet unser Körper vermehrt die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern, ermöglichte das die Flucht vor Gefahren. Vor Stress in der Arbeit beispielsweise kann man jedoch nicht davonlaufen. Stress belastet dann unseren Stoffwechsel und verursacht Ein- und/oder Durchschlafprobleme. Zusätzlich schürt das Stresshormon Cortisol den Appetit, der durch Schlafmangel noch zusätzlich gesteigert wird.

Was hilft gegen stressbedingten Heißhunger?

Langfristig hilft nur Stressabbau. Am besten ist es, die Ursachen für den Stress auszuschalten. Wenn das nicht möglich ist, helfen bestimmte Techniken, die Stresshormone wieder abzubauen. Im stressigen Job helfen bewusst eingelegte kleine Pausen, den Stresspegel nicht zu hoch werden zu lassen. Sport, autogenes Training oder Yoga, am besten mehrmals pro Woche, sind bewährte Maßnahmen zum Stressabbau. Spaziergänge an der frischen Luft sorgen ebenso für Entspannung wie ein duftendes Bad bei Kerzenschein und beruhigender Musik oder die Lektüre eines guten Buches in der Kuschelecke. Wer ausreichend, das heißt sechs bis acht Stunden, schläft, ist besser gegen Stress gewappnet.

Wenn Hormone Lust auf Essen machen

Hormonelle Veränderung können zu gesteigertem Appetit führen: so haben etwa Jugendliche in der Wachstumsphase und Frauen während Schwangerschaft und Stillzeit einen erhöhten Energiebedarf. Mehr zu essen, ist in dieser Zeit natürlich. Aber auch Frauen vor der Menstruation, bei Einnahme der Antibaby-Pille oder in den Wechseljahren bei einer Hormonersatztherapie stellen häufig einen gesteigerten Appetit fest. Auch hier gilt: Heißhungerattacken lassen sich am besten beherrschen, wenn regelmäßig gegessen wird und die Mahlzeiten viel langsam verfügbare Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte und Gemüse enthalten. Zwischendurch Mineralwasser oder ungesüßte Tees trinken beugt Essgelüsten vor.

Heißhunger durch Süßstoff

Verursachen Süßstoffe wie Xylit (Birkenzucker), Cyclamat oder Acesulfam K Heißhunger?

Um Kalorien zu sparen, setzen viele Menschen auf Zuckeralternativen. Allerdings können natürliche und künstliche Süßstoffe Heißhungerattacken auslösen.| Bild: Maik Dörfert – Fotolia

Macht Süßstoff Hunger? Die Theorie, wonach Süßstoff dem Körper die Aufnahme von Zucker vortäuscht und dadurch den Insulinspiegel anhebt, konnte wissenschaftlich nicht erhärtet werden. Allerdings können künstliche Süßstoffe wie Cyclamat oder Acesulfam K dennoch Heißhungerattacken verursachen. Der Mechanismus funktioniert über den Mangel. Das Gehirn verbrennt an einem Tag etwa eine Tasse Zucker, damit wir fühlen, denken, uns kontrollieren oder träumen können. Ersetzen wir den Zucker durch Süßstoff, kann dies Heißhunger auslösen. Dieser Zusammenhang wurde bislang allerdings nur in einem Versuch mit Ratten nachgewiesen. Ernährungsexperten sehen aber zudem noch einen psychologischen Grund, warum Süßstoff Heißhunger macht. Der Zuckerverzicht durch künstliche Süßstoffe wird häufig überkompensiert. Nach dem Motto, durch den Verzicht kann ich mir ein Stück mehr Schokolade gönnen, schlägt uns unser Gehirn somit ein Schnippchen.

„Fressattacken“ – Wann zum Arzt?

Wer immer wieder unter Heißhunger leidet, sollte seinen Hausarzt, Heilpraktiker oder Homöopathen aufsuchen. Besteht der Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung, können Spezialisten wie Diabetologen, Endokrinologen, Ernährungsmediziner oder Psychotherapeuten hinzugezogen werden. In manchen Fällen hilft eine homöopathische Behandlung des Heißhungers. Häufig eingesetzte Mittel sind Abies nigra, Abrotanum, China officinalis, Chininum arsenicosum, Chininum sulfuricum, Kalium chloratum und Petroleum.



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