Brauchen Diabetiker Vitamine?

Der Bedarf an Vitaminen kann bei Diabetikern so hoch sein, dass er selbst durch eine vitaminreiche Ernährung nur schwer gedeckt werden kann.

Der Blutzuckerspiegel von Diabetikern sollte regelmäßig überprüft werden. | Bild: Robert Kneschke – Fotolia

Diabetiker wissen, wie wichtig ein stabiler Blutzuckerspiegel ist. Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist, Blutzuckerwerte und vor allem den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c mithilfe einer geeigneten Ernährung, oralen Medikamenten oder Insulin im eng definierten Zielkorridor zu halten. Laut Studien sollen dafür auch verschiedene Vitamine wichtig sein. Welche das sind und welche Aufgabe sie haben, beschreibt der Artikel.

Beispielsweise warnte Professor Badenhoop von der Endokrinologie der Universitätsklinik Frankfurt im Gespräch mit der Deutschen Diabetesgesellschaft davor, bei Diabetikern den Vitamin D-Spiegel außer Acht zu lassen, da Vitamin D den Blutzuckerspiegel stabilisiere und einen wichtigen Einfluss auf die Insulinaufnahmefähigkeit des peripheren Körpergewebes habe.

Diabetiker haben einen erhöhten Bedarf an Vitaminen

Aus verschiedenen Gründen leiden Menschen mit Diabetes oft unter einem starken Vitaminmangel, obwohl gerade diese Erkrankung ein hohes Maß an zugeführten Vitaminen erforderlich macht: Neben dem erwähnten Vitamin D stabilisiert eine ganze Reihe von weiteren Vitaminen den Blutzuckerspiegel, andere sind an der Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse beteiligt, und auch die bei Diabetes typischen Folgeerkrankungen wie Augenerkrankungen, Nervenschäden, Gefäßschäden oder Durchblutungsstörungen werden durch bestimmte Vitamine abgemildert oder vermieden. Der Vitaminbedarf kann bei Diabetikern so hoch sein, dass er selbst durch eine vitaminreiche Ernährung nur schwer gedeckt werden kann. Daher wird empfohlen, bestimmte Vitamine durch entsprechende Nahrungsergänzungspräparate zu supplementieren.

Vitamin B1 für die Insulinproduktion

Vitamin B1 wirkt der Bildung giftiger Stoffwechselprodukte entgegen und reguliert Störungen der Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride). Darüber hinaus scheint es einen Zusammenhang zwischen der Funktion der insulinproduzierenden Zellen und Vitamin B1 zu geben. Typ-1-Diabetiker leiden oft nachweislich unter einem Mangel an Vitamin B1 im Blutplasma, doch auch bei Typ-2-Diabetikern, deren Blutwerte viel öfter normale Vitamin B1-Werte aufzeigen, ist der Transport des Vitamins ins Gewebe gestört.

Vitamin B6 fördert die Zuckeraufnahme

Als Vorstufe des Glückshormons Serotonin trägt Vitamin B6 in ausreichender Menge positiv zum subjektiven Wohlbefinden bei. Durch eine Metformin-Therapie kann es zu einem Vitamin B6-Mangel kommen, der sich bei Insulingabe sogar noch weiter verstärkt. Durch diesen Mangel bildet sich im Körper Xanthurensäure, wodurch eine Art Teufelskreis in Gang gesetzt wird. Denn Xanthurensäure bindet Insulin und lässt dadurch den Blutzuckerspiegel weiter entgleisen. Wird Vitamin B6 supplementiert, verbessert sich die Aufnahme von Zucker in die Zellen und der Serotoninspiegel steigt an. Es ist allerdings von hochdosiertem Vitamin B6 abzuraten, da es Neuropathien verursachen kann. Sinnvolle Vitamin B-Komplexpräparate bieten hingegen eine moderate Dosis, die eine Überdosierung ausschließt.

Vitamin B12 schützt vor Nervenschäden

Typ-2-Diabetiker, die Metformin einnehmen, sind laut US-amerikanischen Daten doppelt so anfällig für einen Vitamin B12-Mangel wie Nicht-Diabetiker. Eine Unterversorgung mit Vitamin B12 kann unbehandelt zu irreversiblen Schäden des Nervensystems führen, die wiederum Diabetes-Folgeerkrankungen, wie Polyneuropathien, Herz-Kreislauferkrankungen oder Demenz verstärken können. Vorsicht ist aber bei der Dosierung geboten. Es ist wichtig, den Vitamin B-Spiegel nach einem im Labor nachgewiesenen Mangel vom Arzt richtig einstellen zu lassen und nicht einfach auf Verdacht Vitamine zu nehmen. Denn ein erhöhter Vitamin B-Spiegel kann laut neueren Erkenntnissen eines kanadischen Forscherteams bei nierenkranken Menschen mit Diabetes ebenfalls zu Nebenwirkungen führen und die Nierenfunktion beeinträchtigen. Wie so oft, liegt der Königsweg auch hier im richtigen Maß.

Vitamin C stärkt das Immunsystem

Vitamin C gelangt über dieselben Mechanismen in die Immunzellen wie Zucker. Steigt der Blutzuckerspiegel, weil die Zellen den Zucker durch eine Insulinresistenz schlechter aufnehmen, steht auch den Immunzellen weniger Vitamin C zur Verfügung. Da Vitamin C als Antioxidans über das Immunsystem frei Radikale bindet, stehen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse bei einem Vitamin C-Mangel unter Dauerfeuer dieser zellschädigenden freien Radikale, wodurch sich der Diabetes weiter verschlechtern kann. Darüber hinaus unterstützt Vitamin C die Wundheilung, die durch den Diabetes ebenfalls gestört ist.

Vitamin D reguliert den HbA1c-Wert bei Diabetikern

Die positive Wirkung von Vitamin D auf den Blutzucker bei Diabetikern konnte nicht nur in den insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse, sondern auch in der Leber und den Muskelzellen nachgewiesen werden. Durch hohe Dosen von 4000 IE an Vitamin D3 lässt sich eine Verbesserung der Insulinresistenz erzielen, was sich positiv auf den HbA1c-Wert auswirkt. Ein sicherer Hinweis auf einen langfristig gut eingestellten Blutzuckerspiegel. Hochdosiertes Vitamin D3 wird Ihnen zum Beispiel von Hevert angeboten. In Mitteleuropa ist ein Vitamin D-Mangel selbst in der gesunden Bevölkerung weit verbreitet, da von Oktober bis März weniger UV-Licht die Erdoberfläche erreicht und die meisten Menschen sich meistens in geschlossenen Räumen aufhalten. Vitamin D spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Behandlung vieler Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel der Multiplen Sklerose oder Morbus Crohn.

Auch Vitamin E, Magnesium und Zink sollten regelmäßig zugeführt werden. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Vitaminkomplexe eine gute Lösung bieten, da sich die Mangelsituation meist über mehrere Vitamine erstreckt. Mit der Verbundwirkung lassen sich Symptome und Schäden chronischer Autoimmunerkrankungen lindern oder gar verhindern.

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Bild: Hevert