So schützen Sie sich vor Reisediarrhö

Reisediarrhö ist einer der häufigsten Urlaubsbegleiter. Sie wird meistens durch Bakterien in Speisen oder Wasser verursacht.

Viele Deutsche fliegen im Winter besonders gerne an den Äquator. Dort ist jedoch die Gefahr hoch, an Reisediarrhö zu erkranken. | Bild: Subbotina Anna – Fotolia

In der kalten, dunklen Jahreszeit zieht es viele Deutsche in die Ferne. Endlich Sonne, Strand und Meer und dann das: Plötzliche Übelkeit, schneidende Krämpfe im Unterleib und Durchfall. Eine Reisediarrhö macht vielen Fernreisenden zu schaffen. Klimaumstellung, Zeitverschiebung, ungewohnte Speisen sowie niedrige Hygienestandards können den Darm strapazieren. Obwohl meist harmlos, kann Reisedurchfall den Urlaub ziemlich vermiesen.

Ist es draußen grau in grau, eiskalt und das Ende des Winters nicht in Sicht, wächst die Sehnsucht nach Sonne und Wärme. Doch je exotischer das Reiseziel, desto mehr sollte man vorsorgen, um den Urlaub unbeschwert genießen zu können. Durchfall ist neben Erkältungen einer der häufigsten ungebetenen Reisebegleiter. „Der Fluch des Pharao“, „Montezumas Rache“, „Delhi Belly“ – in manchen Ländern erkranken so viele Urlauber an Durchfall, dass es dafür sogar eigene Bezeichnungen gibt. Besonders hoch ist das Risiko in Äquatornähe, also in Teilen Afrikas, Lateinamerikas, Asiens und Südostasiens: Aber auch an anderen Fernreisezielen ist man davor nicht sicher. Naturnahe Reisen wie Trekking- oder Abenteuerurlaub erhöhen durch niedrigere Hygienebedingungen das Infektionsrisiko ebenso wie Gruppenreisen, bei denen die Durchfall-Erreger leicht übertragen werden. Wer in einem Hotel wohnt, ist seltener von Durchfall betroffen, als Urlauber in einfachen Unterkünften. Interessant ist dabei: In Hotels der gehobenen Kategorie ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken höher als in Mittelklassehotels. Im Glauben Luxusambiente ist gleich Sauberkeit werden hier vermutlich Hygieneregeln nicht so genau genommen.

Reisediarrhö – wodurch wird sie verursacht?

Bei Reisedurchfall handelt es sich um eine Infektionskrankheit des Darms, die in den meisten Fällen durch Bakterien verursacht wird. Denn niedrige Hygienestandards, hohe Temperaturen und unzureichende Kühlung machen es Bakterien leicht, sich in Nahrungsmitteln oder Wasser zu vermehren. Die mit Abstand häufigsten Erreger des Reisedurchfalls sind sogenannte enterotoxinbildende Stämme des Bakteriums Escherichia coli (ETEC). ETEC schütten im Darm der infizierten Personen bestimmte Giftstoffe (Enterotoxine) aus, die eine erhöhte Elektrolyt- und Wasserausscheidung über die Darmwand bewirken. Seltener stecken Salmonellen, Shigellen oder verschiedene Campylobacter-Arten hinter den Durchfällen. Diese Bakterienarten schütten nicht nur Enterotoxine aus, sondern dringen auch in die Darmwand und schädigen sie. Immer wieder einmal hört man von Virusinfektionen auf Kreuzfahrtschiffen, die Urlauber und Besatzung ereilen. Meist handelt es sich dabei um Noroviren oder Rotaviren. Sie lösen Diarrhö mit begleitender Übelkeit und Erbrechen aus.

Welche Symptome treten bei Reisedurchfall auf?

Egal welche Erreger hinter dem Durchfall stecken, die Beschwerden sind meist sehr ähnlich. Typisch sind durchschnittlich drei bis sechs Darmentleerungen täglich mit starken Bauchkrämpfen. Auch kann es zu Übelkeit, Erbrechen und Fieber kommen. Im Durschnitt treten die Durchfälle zwischen dem dritten und neunten Reisetag auf und halten drei bis fünf Tage an. Klingt die Diarrhö wie in mehr als 90 Prozent der Fälle nach wenigen Tagen von selbst wieder ab, sprechen Mediziner von einem akuten Reisedurchfall. Für gesunde Erwachsene ist die Durchfallerkrankung meistens harmlos. Anders ist es bei Säuglingen und Kleinkindern, Schwangeren, älteren Menschen und chronisch Kranken. Für sie kann der starke Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen im Extremfall sogar lebensbedrohlich sein. Bei Aufenthalten in größeren Höhen verstärkt der Flüssigkeitsverlust die Effekte der Höhenkrankheit.

Vorsorge ist ein Muss bei Fernreisen

Die meisten Fernreisen werden heute online gebucht. Damit entfällt die Beratung im Reisebüro über mögliche Gesundheitsgefahren am Urlaubsort. Eigeninitiative ist deshalb gefragt. Am besten lässt man sich von einem reisemedizinisch qualifizierten Arzt oder Apotheker zur individuellen Gesundheitsvorsorge beraten. Auch Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin bieten auf ihrer Website nützliche Informationen zu Reiseländern, Erkrankungen und Impfungen an.

Krankheitserreger verbreiten sich häufig über Lebensmittel oder durch eine Schmierinfektion – also zum Beispiel über die verunreinigte Hand zum Mund. Ein einfacher und sehr wirksamer Schutz ist daher, sich oft und gründlich die Hände zu waschen. Mit ungewaschenen Händen sollte man sich möglichst nicht ins Gesicht fassen. Desinfizierende Tücher oder Lotionen im Handgepäck sind eine gute Alternative, wenn Händewaschen unterwegs nicht möglich ist. Gegen eine Infektion durch Essen und Trinken hilft die altbekannte Regel „Koch es, schäl es oder vergiss es“. Das heißt, nur durchgegarte Speisen, (selbst) geschältes Obst, abgekochtes Trinkwasser oder Wasser aus geschlossenen Flaschen konsumieren. Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind Zähneputzen mit Mineralwasser und der Verzicht auf Eiswürfel und offenes Speiseeis.

Therapie von Reisediarrhö

Kommt es trotz aller Vorsicht zu Durchfällen, ist das in der Regel kein Drama, sofern man wirksame Durchfallmittel in die Reiseapotheke gepackt hat. Mit Elektrolyt-Trinklösungen lassen sich Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste schnell wieder ausgleichen. Kohletabletten (z.B. Kohle Hevert) helfen Giftstoffe zu binden. Bei schweren Krankheitsverläufen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, da bei einer Reisediarrhö in manchen Fällen ein Antibiotikum zur Abtötung der Keime nötig sein kann.

 



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